Müde bin ich
1816Müde bin ich, geh′ zur Ruh′, Schließe beide Äuglein zu; Vater, laß die Augen dein Über meinem Bette sein!
Hab′ ich Unrecht heut′ gethan, Sieh′ es, lieber Gott, nicht an! Deine Gnad′ und Jesu Blut Macht ja allen Schaden gut.
Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand! Alle Menschen, groß und klein, Sollen dir befohlen sein.
Kranken Herzen sende Ruh′, Nasse Augen schließe zu; Laß den Mond am Himmel stehn Und die stille Welt besehn!
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Interpretation
Das Gedicht "Müde bin ich" von Luise Hensel ist ein Abendlied, das den Übergang vom Tag zur Nacht und den Wunsch nach Ruhe und Schutz thematisiert. Es beginnt mit der Darstellung der Müdigkeit des Sprechers, der sich zur Ruhe begeben möchte. Die Augen werden geschlossen, und der Sprecher bittet den Vater, über seinem Bett zu wachen. Dies deutet auf ein Bedürfnis nach göttlichem Schutz und Fürsorge hin. Im zweiten Teil des Gedichts geht es um die Bitte um Vergebung für begangene Fehler. Der Sprecher erkennt an, dass er heute Unrecht getan haben könnte, und bittet Gott, dies nicht zu beachten. Die Erwähnung von Gottes Gnade und dem Blut Jesu deutet auf die christliche Überzeugung hin, dass durch diese göttliche Gnade alle Schäden wieder gutgemacht werden können. Dies vermittelt eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes. Der dritte Teil des Gedichts erweitert den Fokus auf andere Menschen. Der Sprecher bittet Gott, sich um alle Verwandten und um alle Menschen, groß und klein, zu kümmern. Dies zeigt ein Mitgefühl und eine Sorge für das Wohl anderer. Der letzte Teil des Gedichts enthält Bitten um Ruhe für kranke Herzen und das Schließen nasser Augen, was auf emotionale oder körperliche Schmerzen hindeuten könnte. Der Sprecher bittet auch darum, dass der Mond am Himmel stehen bleibt und die stille Welt betrachtet, was eine Sehnsucht nach Frieden und Ruhe ausdrückt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Müde bin ich, geh' zur Ruh', Schließe beide Äuglein zu; Vater, laß die Augen dein Über meinem Bette sein!
- Apostrophe
- Vater, laß die Augen dein Über meinem Bette sein!
- Bildsprache
- Laß den Mond am Himmel stehn Und die stille Welt besehn!
- Metapher
- Nasse Augen schließe zu
- Parallelismus
- Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand! Alle Menschen, groß und klein, Sollen dir befohlen sein.