Motto
1880[zu Die drei Lichter der kleinen Veronika ]
Wer mit den Augen der Andacht geschaut, wie die Seele der Erde Kristalle gebaut, Wer die Flamme im keimenden Kern gesehn, im Leben den Tod, Geburt im Vergehn - Wer in Menschen und Tieren den Bruder fand und im Bruder den Bruder und Gott erkannt, der feiert am Tisch des heiligen Gral mit dem Heiland der Liebe das Abendmahl -. Er sucht und findet, wie Gott es verhieß, den Weg ins verlorene Paradies.
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Interpretation
Das Gedicht "Motto" von Manfred Kyber ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit spiritueller Erkenntnis und der Einheit aller Lebewesen. Es lädt den Leser ein, die Welt mit den "Augen der Andacht" zu betrachten, was eine Art von heiliger Achtsamkeit und tiefer Verbundenheit mit der Natur und dem Leben selbst bedeutet. Die Erwähnung der "Seele der Erde", die "Kristalle gebaut", deutet auf eine göttliche Ordnung und Schönheit in der Natur hin, die nur für jene sichtbar wird, die mit innerem Auge sehen. Der zweite Teil des Gedichts vertieft das Thema der spirituellen Erkenntnis, indem er die zyklischen Prozesse des Lebens anspricht – den "keimenden Kern" und die "Flamme" als Symbole für Leben und Tod, Geburt und Vergehen. Diese Dualität wird als Einheit verstanden, was auf ein tiefes Verständnis der Naturgesetze und der Vergänglichkeit hindeutet. Die Anerkennung des "Bruders" in Mensch und Tier unterstreicht die Idee der universellen Verbundenheit und der Gleichheit aller Geschöpfe vor Gott. Diese Erkenntnis führt zu einer heiligen Gemeinschaft am "Tisch des heiligen Gral" mit dem "Heiland der Liebe", was als Metapher für die vollkommene Einheit mit dem Göttlichen und der Liebe selbst interpretiert werden kann. Im letzten Teil des Gedichts wird die Konsequenz dieser spirituellen Reise deutlich: Wer diese Einsichten gewinnt, "feiert am Tisch des heiligen Gral" und "sucht und findet, wie Gott es verhieß, den Weg ins verlorene Paradies". Dies impliziert eine Rückkehr zu einem Zustand vollkommener Harmonie und Einheit mit dem Göttlichen, einem "verlorenen Paradies", das durch spirituelle Erkenntnis und die Praxis der Liebe wiedererlangt werden kann. Das Gedicht schließt somit mit einer hoffnungsvollen Botschaft: Durch die Anerkennung der Verbundenheit aller Dinge und die Hingabe an die Liebe ist die Rückkehr zu einem Zustand des göttlichen Friedens und der Vollkommenheit möglich.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Weg ins verlorene Paradies
- Personifikation
- Flamme im keimenden Kern gesehn