Morgenständchen
1837In den Wipfeln frische Lüfte, fern melod′scher Quellen Fall durch die Einsamkeit der Klüfte, Waldeslaut und Vogelschall.
Scheuer Träume Spielgenossen steigen all beim Morgenschein, auf des Weinlaubs schwanken Sprossen dir zum Fenster aus und ein
und wir nahn noch halb in Träumen und wir tun in Klängen kund was da draußen in den Bäumen singt der weite Frühlingsgrund,
Regt der Tag erst laut die Schwingen sind wir Alle wieder weit aber tief im Herzen klingen lange nach noch Lust und Leid.
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Interpretation
Das Gedicht "Morgenständchen" von Joseph von Eichendorff ist ein lyrisches Werk, das die Schönheit und Stimmung eines frühen Morgens in der Natur einfängt. Es beschreibt die sanfte Atmosphäre des Waldes, in dem frische Lüfte und melodische Klänge durch die Einsamkeit der Schluchten wehen. Der Gesang der Vögel und das Rauschen des Waldes schaffen eine harmonische Kulisse, die den Rahmen für die folgenden Strophen bildet. In der zweiten Strophe werden die "scheuen Träume" als spielende Begleiter dargestellt, die mit dem Morgenlicht aufsteigen und sich an den Sprossen des Weinlaubs entlang zum Fenster bewegen. Diese Bilder vermitteln eine Atmosphäre von Leichtigkeit und Verzauberung, in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Die Träume bringen die Klänge und Gesänge der Natur ins Innere, was die Verbindung zwischen der äußeren Welt und dem Inneren des Menschen symbolisiert. Die dritte Strophe beschreibt, wie die Träume und Klänge die Geheimnisse der Natur nach außen tragen und was der weite Frühlingsgrund in den Bäumen singt. Dies verdeutlicht die Idee, dass die Natur eine eigene Sprache hat, die durch die Träume und Klänge vermittelt wird. Die letzte Strophe schließlich deutet an, dass der Tag mit seinen lauten Geräuschen die Träume vertreibt, aber die tiefen Gefühle von Lust und Leid bleiben lange im Herzen des Menschen nachklingen. Dies unterstreicht die nachhaltige Wirkung der morgendlichen Natur auf die menschliche Seele.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Morgenständchen, Morgenschein
- Assonanz
- Klüfte, Lüfte
- Metapher
- Scheuer Träume Spielgenossen
- Parallelismus
- auf des Weinlaubs schwanken Sprossen dir zum Fenster aus und ein
- Personifikation
- Regt der Tag erst laut die Schwingen
- Synästhesie
- In den Wipfeln frische Lüfte