Morgenlied

Salomon Gessner

1730

Willkommen, fryhe Morgen-Sonn; Willkommen, junger Tag! Dort aus des Berges dunkelm Wald Blizt schon dein Stral hervor.

Schon blinket er im Wasser-Fall, Im Thau auf jedem Laub; Und Munterkeit und Wonne koemmt Mit deinem Glanz daher.

Der Zephir, der in Blumen schlief, Verlæßt sein Beth, und schwermt Von Blum zu Blum, und schyttelt die, Die izt noch schlafen, wach.

Der bunt-gemengten Træume Schaar Entflieht izt jeder Stirn; Wie Liebes-Goetter schwermten sie Um Chloens Wangen her.

Eilt, Zephir! raubet jeder Blum Den lieblichsten Geruch; Und eilet, eilt zu Chloen hin, Izt da sie bald erwacht.

Da flatert um ihr weiches Beth, Und wekt das schoenste Kind, Mit sanftem Spiel auf ihrer Brust, Und ihrem syssen Mund.

Wann sie erwacht, dann flystert ihr, Schon vor der Morgen-Sonn, Hab’ ich Einsamer ihren Nam Am Wasser-Fall geseufzt.

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Illustration zu Morgenlied

Interpretation

Das Gedicht "Morgenlied" von Salomon Gessner ist eine lyrische Huldigung an den Morgen und die Schönheit der Natur. Es beginnt mit einer herzlichen Begrüßung der Morgensonne und des jungen Tages, die aus dem dunklen Wald eines Berges hervorblitzen. Der Dichter beschreibt, wie das Licht des Morgens auf den Wasserfall und den Tau auf jedem Blatt glitzert und eine Atmosphäre von Munterkeit und Wonne verbreitet. Der zweite Teil des Gedichts konzentriert sich auf den Zephir, den sanften Westwind, der in den Blumen geschlafen hat und nun erwacht. Er bewegt sich von Blume zu Blume und weckt diejenigen, die noch schlafen. Die bunten Träume, die die Stirn umgeben haben, entfliehen, und der Dichter imaginiert, wie Liebesgötter um Chloens Wangen geschwärmt haben. Im letzten Teil des Gedichts bittet der Dichter den Zephir, den lieblichsten Duft jeder Blume zu rauben und eilt zu Chloen, die bald erwachen wird. Er beschreibt, wie der Wind sanft um ihr weiches Bett flattert und das schönste Kind mit sanftem Spiel auf ihrer Brust und ihrem süßen Mund weckt. Der Dichter seufzt ihren Namen am Wasserfall, bevor die Morgensonne aufgeht, und flüstert es ihr zu, wenn sie erwacht.

Schlüsselwörter

blum izt willkommen morgen sonn wasser fall zephir

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Schwermten sie um Chloens Wangen her
Anapher
Willkommen, fryhe Morgen-Sonn; Willkommen, junger Tag!
Bildlichkeit
Schon blinket er im Wasser-Fall, Im Thau auf jedem Laub
Hyperbel
Hab’ ich Einsamer ihren Nam Am Wasser-Fall geseufzt
Metapher
Wie Liebes-Goetter schwermten sie