Morgenlied

Johann Georg Jacobi

1819

Sieh, wie der Hain erwacht, Wie von umglänzten Höhen, Bey leisem Windes-Wehen, In frische, Bethaute Büsche Die Morgen-Wonne lacht! Wonne, wo die Blüthen wallen; Wo die Vögel locken, Wonne! O sieh! da strahlt die Sonne Herauf in voller Pracht!

Hier, wo die Blume bebt, Wo sich die Bäche kräuseln, Vernimm der Liebe Säufeln, Das milde Durch die Gefilde, Wie Frühlings-Athem, schwebt. Liebe führt den Sonnen-Wagen; Liebe streut die Blüthen nieder. Sie weckt den Hain, den wieder Gesang und Lust belebt.

Hör′ in des Waldes Chor Die süße Liebe singen! Es fleugt auf goldnen Schwingen, Wenn Seelen Sich ihr vermählen, Der Geist zum Licht empor. Liebe nur kann Freude geben, Liebe tröstet unter Sorgen. Sie ruft zum ew′gen Morgen Aus Grüften einst empor.

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Illustration zu Morgenlied

Interpretation

Das Gedicht "Morgenlied" von Johann Georg Jacobi ist ein Lobgesang auf den Morgen und die Liebe. Es beschreibt die Erweckung der Natur bei Tagesanbruch und die allgegenwärtige Liebe, die den Neuanfang des Tages begleitet. Das Gedicht beginnt mit der Darstellung der erwachenden Natur. Der Dichter beschreibt, wie der Hain zum Leben erwacht, die Büsche in Tau gehüllt sind und die Morgenfreude lacht. Die Natur wird als Ort der Wonne dargestellt, wo Blüten wallen und Vögel singen. Die Sonne strahlt in voller Pracht herauf und verbreitet ihre Wärme. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Liebe als treibende Kraft hinter dem Erwachen der Natur dargestellt. Liebe wird als sanftes, durch die Gefilde schwebendes Frühlingsatmen beschrieben. Sie führt den Sonnenwagen, streut die Blüten nieder und weckt den Hain. Der Gesang und die Lust beleben die Natur erneut. Im letzten Teil des Gedichts wird die Liebe als Quelle der Freude und des Trostes in schweren Zeiten gepriesen. Die Liebe wird als singende Kraft im Chor des Waldes dargestellt, die auf goldenen Schwingen emporfliegt. Sie ermöglicht die Vereinigung von Seelen und führt den Geist zum Licht empor. Die Liebe wird als Kraft beschrieben, die eines Tages aus den Gräbern zum ewigen Morgen ruft.

Schlüsselwörter

liebe wonne sieh hain morgen blüthen empor erwacht

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Stilmittel

Hyperbel
Sie ruft zum ew′gen Morgen
Metapher
Liebe führt den Sonnen-Wagen
Personifikation
Sieh, wie der Hain erwacht
Symbolik
Liebe streut die Blüthen nieder
Vergleich
Wie Frühlings-Athem, schwebt