Morgenlied (1)
1841Kein Stimmlein noch schallt von allen In frühester Morgenstund, Wie still ists noch in den Hallen Durch den weiten Waldesgrund.
Ich stehe hoch überm Tale Stille vor großer Lust, Und schau nach dem ersten Strahle, Kühl schauernd in tiefster Brust.
Wie sieht da zu dieser Stunde So anders das Land herauf, Nichts hör ich da in der Runde Als von fern der Ströme Lauf.
Und ehe sich alle erhoben Des Tages Freuden und Weh, Will ich, Herr Gott, Dich loben Hier einsam in stiller Höh. -
Nun rauschen schon stärker die Wälder, Morgenlicht funkelt herauf, Die Lerche singt über den Feldern, Schöne Erde, nun wache auf!
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Interpretation
Das Gedicht "Morgenlied (1)" von Joseph von Eichendorff beschreibt die Stimmung und die Eindrücke des lyrischen Ichs in der frühen Morgenstunde. Es beginnt mit einer ruhigen und stillen Atmosphäre, in der noch keine Geräusche zu hören sind. Das lyrische Ich steht über dem Tal und blickt auf den ersten Strahl der Morgensonne. Es empfindet eine tiefe Freude und einen Schauer zugleich. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt das lyrische Ich die veränderte Landschaft zu dieser frühen Stunde. Es sieht das Land anders und hört nur das ferne Rauschen der Flüsse. Bevor der Tag mit seinen Freuden und Leiden beginnt, möchte das lyrische Ich Gott hier oben in der Stille loben. Im letzten Teil des Gedichts erwacht die Natur allmählich zum Leben. Die Wälder rauschen stärker, das Morgenlicht funkelt herauf und die Lerche singt über den Feldern. Das lyrische Ich ruft die Erde auf, aufzuwachen und den neuen Tag zu begrüßen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Kein Stimmlein noch schallt
- Apostrophe
- Will ich, Herr Gott, Dich loben
- Bildsprache
- Kühl schauernd in tiefster Brust
- Hyperbel
- Stille vor großer Lust
- Kontrast
- Des Tages Freuden und Weh
- Metapher
- Morgenlicht funkelt herauf
- Personifikation
- Die Lerche singt über den Feldern
- Symbolik
- Morgenlicht funkelt herauf