Morgengruß
1821Guten Morgen, schöne Müllerin! Wo steckst du gleich das Köpfchen hin, Als wär dir was geschehen? Verdrießt dich denn mein Gruß so schwer? Verstört dich denn mein Blick so sehr? So muß ich wieder gehen.
O laß mich nur von ferne stehn, Nach deinem lieben Fenster sehn, Von ferne, ganz von ferne! Du blondes Köpfchen, komm hervor! Hervor aus eurem runden Tor, Ihr blauen Morgensterne!
Ihr schlummertrunknen Äugelein, Ihr taubetrübten Blümelein, Was scheuet ihr die Sonne? Hat es die Nacht so gut gemeint, Daß ihr euch schließt und bückt und weint Nach ihrer stillen Wonne?
Nun schüttelt ab der Träume Flor Und hebt euch frisch und frei empor In Gottes hellen Morgen! Die Lerche wirbelt in der Luft, Und aus dem tiefen Herzen ruft Die Liebe Leid und Sorgen.
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Interpretation
Das Gedicht "Morgengruß" von Wilhelm Müller beschreibt die Sehnsucht und Zuneigung eines jungen Mannes zu einer Müllerin. In den ersten Strophen drückt der Sprecher seine Enttäuschung darüber aus, dass die Müllerin seinen Gruß und seinen Blick zu vermeiden scheint. Er bittet darum, von weitem ihr Fenster betrachten zu dürfen und sehnt sich nach einem Blick auf ihr blondes Köpfchen und ihre blauen Augen, die er als "Morgensterne" bezeichnet. In den folgenden Versen richtet sich der Sprecher direkt an die Augen und Blüten der Müllerin, die noch schläfrig und vom Tau benetzt sind. Er fragt sich, warum sie sich vor der Sonne scheuen und vergleicht ihre geschlossenen Augen und gebückten Blüten mit dem Weinen nach der stillen Wonne der Nacht. Der Sprecher ermutigt sie, die Träume abzuschütteln und sich frisch und frei in den hellen Morgen Gottes zu erheben. Im letzten Vers vergleicht der Sprecher die Liebe mit einer Lerche, die in der Luft wirbelt und aus dem tiefen Herzen ruft. Die Liebe bringt sowohl Leid als auch Sorgen mit sich, was die emotionale Intensität und die Höhen und Tiefen der romantischen Gefühle des Sprechers für die Müllerin verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ihr taubetrübten Blümelein
- Anrede
- Guten Morgen, schöne Müllerin!
- Bildsprache
- Die Lerche wirbelt in der Luft
- Frage
- Verdrießt dich denn mein Gruß so schwer?
- Hyperbel
- Verdrießt dich denn mein Gruß so schwer?
- Kontrast
- In Gottes hellen Morgen! Die Lerche wirbelt in der Luft
- Metapher
- Ihr blauen Morgensterne!
- Personifikation
- Ihr schlummertrunknen Äugelein