Morgengang
1888Ich geh′ auf stillen Wegen Frühtags ins grüne Feld, Wie lacht mir da entgegen Die junge Morgenwelt!
Wohl tausend Blüthen schauen Von Wald und Wiesen her, Die alle tropfig thauen Von edlen Perlen schwer.
Ich brech′ mir ein Geschmeide Von nassen Rosen ab: Wärst du an meiner Seite, Von der geträumt ich hab′!
Ich hing dir′s in die Locken Als deinen Hochzeitkranz – Da geh′n die Morgenglocken, Ich steh′ in Thränen ganz.
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Interpretation
Das Gedicht "Morgengang" von Martin Greif beschreibt die poetische Reise eines lyrischen Ichs durch eine idyllische Morgenlandschaft. In den ersten beiden Strophen wird die Schönheit der Natur in den frühen Morgenstunden betont, wobei das lyrische Ich von der Fülle der blühenden Pflanzen und dem Tau auf den Blumen fasziniert ist. Die Natur wird als "junge Morgenwelt" personifiziert und lädt das lyrische Ich ein, sich in ihrer Pracht zu verlieren. In der dritten Strophe wird die Einsamkeit des lyrischen Ichs deutlich, da es sich nach der Anwesenheit einer geliebten Person sehnt. Die "nassen Rosen" symbolisieren die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Liebe, die das lyrische Ich gerne mit der geliebten Person teilen würde. Die Vorstellung, der Person einen "Hochzeitkranz" zu schenken, unterstreicht die romantische und hoffnungsvolle Stimmung des Gedichts. Die letzte Strophe bringt eine Wendung in die Stimmung des Gedichts. Die "Morgenglocken" klingen, was das Ende der idyllischen Morgenstimmung und den Beginn des Tages ankündigt. Das lyrische Ich steht in Tränen, was auf eine tiefe emotionale Reaktion hindeutet. Möglicherweise ist es die Erkenntnis, dass die geliebte Person nicht anwesend ist oder die Vergänglichkeit des Moments, die das lyrische Ich zu Tränen rührt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl von Sehnsucht und Melancholie, das den Kontrast zur anfänglichen Freude und Schönheit der Natur bildet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Ich hing dir's in die Locken / Als deinen Hochzeitkranz
- Kontrast
- Da geh'n die Morgenglocken, / Ich steh' in Thränen ganz
- Metapher
- Die junge Morgenwelt
- Personifikation
- Wohl tausend Blüthen schauen
- Symbolik
- Von nassen Rosen ab
- Vergleich
- Die alle tropfig thauen / Von edlen Perlen schwer