Morgenandacht
1626Frisch auf, mein Sinn, ermuntre dich, Weil dort die Morgensonne sich Zeigt auf vergüld?tem Hügel. Es hüpfet ob den Büschen ümm, Und singet Gott mit krauser Stimm? Das leichte Luftgeflügel. Schläfer, Schäfer, Sind geflissen, Zu begrüßen Trift und Auen, Dir und ihnen sich zu trauen.
Dir, dir, dir hier, o Gott, stimmt an, Was schwebt, was webt, was beben kann, Ein Loblied deiner Güte. Auch mich soll nichts beschämen nicht, Daß ich vergesse meine Pflicht Und dankbares Gemüthe. Höre, mehre Dies Erklingen, Laß mein Singen, Dich jetzt preisen, Und dir Ruhm und Ehr? erweisen.
Das Leid der Nacht ist überhin. Wer macht, daß ich entkommen bin Aus tausendfachen Stricken? Da mich umfing des Todes Bild, War deine Hand mein starker Schild, Dein Schutz wollt? mich beglücken. Pfeilen, Seilen Böser Leute, Die zur Beute Mich erwählet, Hat ihr Werk der Nacht gefehlet.
Du Held und Hüter unsrer Wacht, Der du nicht schläfest in der Nacht, Dein Gnadenaug? bleib? offen; Beug? ferner allem Unfall für, Und öffne meines Herzens Thür Zu fest gefaßtem Hoffen. Ende, wende Meine Schmerzen In dem Herzen Ob den Sünden, Laß mich deine Gnad? empfinden.
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Interpretation
Das Gedicht "Morgenandacht" von Sigmund von Birken ist ein Loblied auf Gott, das den Beginn eines neuen Tages feiert. Der Sprecher ruft seinen Geist auf, sich zu erfrischen, da die Morgensonne aufgeht und die Vögel ihre Lobgesänge anstimmen. Er ermutigt sich selbst, seine Pflicht gegenüber Gott nicht zu vergessen und dankbar zu sein. Der zweite Teil des Gedichts ist ein Gebet an Gott, in dem der Sprecher um Schutz und Führung bittet. Er erinnert sich an die Gefahren der vergangenen Nacht und dankt Gott dafür, dass er ihn beschützt hat. Er bittet Gott, auch weiterhin über ihn zu wachen und ihm in Zeiten der Not beizustehen. Im letzten Teil des Gedichts bittet der Sprecher Gott, ihm bei der Überwindung seiner Sünden zu helfen und seine Gnade zu erfahren. Er bittet Gott, seine Schmerzen in Freude zu verwandeln und ihm Hoffnung zu geben. Das Gedicht endet mit einem Ausdruck der Dankbarkeit und des Lobes für Gottes Güte und Barmherzigkeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schläfer, Schäfer
- Anapher
- Dir, dir, dir hier, o Gott, stimmt an
- Apostrophe
- o Gott
- Bildsprache
- Da mich umfing des Todes Bild
- Hyperbel
- Aus tausendfachen Stricken?
- Kontrast
- Das Leid der Nacht ist überhin
- Metapher
- Die Morgensonne sich Zeigt auf vergüld?tem Hügel.
- Parallelismus
- Was schwebt, was webt, was beben kann
- Personifikation
- Es hüpfet ob den Büschen ümm, Und singet Gott mit krauser Stimm? Das leichte Luftgeflügel.
- Symbolik
- Die Morgensonne als Symbol für Hoffnung und Erneuerung