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Morale

Von

Der Edellstein die künst bedeut/
und der han die tolle leut/
Und die noch nichts dann wollust streben/
fressen und sauffen ist ihr leben/
Sie fragen nichts noch gutter ler/
ein voller bauch ihn lieber wer.

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Gedicht: Morale von Erasmus Alberus

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Morale“ von Erasmus Alberus ist eine kurze, prägnante Satire, die sich kritisch mit der gesellschaftlichen Verrohung und der Missachtung moralischer Werte auseinandersetzt. Der Titel „Morale“ deutet bereits auf die beabsichtigte Belehrung hin, die durch das Gedicht vermittelt werden soll. Alberus richtet den Blick auf die Unachtsamkeit und Oberflächlichkeit bestimmter Gesellschaftsgruppen und stellt ihnen die Wichtigkeit von Tugend und Bildung gegenüber.

Die ersten beiden Verse setzen den Kontrast zwischen dem Edlen und den „tollen Leuten“ in Szene. „Der Edellstein“ steht hier wahrscheinlich für die kluge, wohlüberlegte Vorgehensweise, die Kunst und die Tugend. Die „tollen Leut“ hingegen werden als die gekennzeichnet, die nicht nachdenken oder Kunst und Moral nicht nachgehen. Die folgenden Verse zeichnen ein düsteres Bild des Lebens dieser Menschen. Sie werden als diejenigen dargestellt, deren einziges Bestreben die „Wollust“ ist, also Genuss, sinnliches Vergnügen und ein ausschweifendes Leben. Das Gedicht kritisiert somit eine Gesellschaft, in der moralische Werte und geistige Interessen zugunsten eines reinen Hedonismus vernachlässigt werden.

Die nächsten Zeilen verstärken die Kritik noch, indem sie die Missachtung jeglicher Bildung und Lehre betonen. „Sie fragen nichts noch guter Ler“ deutet an, dass diese Menschen weder an moralischen Prinzipien noch an Wissen interessiert sind. Stattdessen wird die Befriedigung körperlicher Bedürfnisse, dargestellt durch das „fressen und sauffen“, bevorzugt. Die abschließenden Verse verstärken die Verachtung für die moralische Leere und die Ignoranz, indem sie die Prioritäten dieser Menschen aufzeigen: „Ein voller Bauch ihnen lieber wer“. Diese Formulierung unterstreicht die triviale Denkweise und die mangelnde Wertschätzung für geistige und spirituelle Aspekte des Lebens.

Insgesamt ist „Morale“ ein klares, warnendes Gedicht, das die Gefahren einer Gesellschaft aufzeigt, die sich von moralischen Werten und geistiger Entwicklung abwendet. Alberus benutzt eine einfache, aber wirkungsvolle Sprache, um seine Kritik zu äußern und ein moralisches Urteil zu fällen. Die Kürze des Gedichts verstärkt seine Schlagkraft, indem es die Hauptaussage auf das Wesentliche reduziert und den Leser direkt anspricht.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.