Monolog eines Modelljägers
1813Welch ein herrlicher Kopf! Und einer der vielen des Pöbels! Macht sie nicht heut das Modell, macht sie es morgen gewiß, Wenn sie des Hutes bedarf, ihn gegen die Sonne zu schützen; Welchem Rumpfe jedoch setzt man am besten ihn auf? Ei, durchmustern wir schnell die Ilias oder die Bibel, Welche Göttin beliebt? Welche der Heiligen paßt? Juno? Da wär′ erst die Stirn zu renken, die römisch und kurz ist; Venus? Du stehst mir im Weg, griechisches Mensch in Florenz! Heidinnen, packt euch zum Teufel! Ich schenkt′ ihn flugs der Madonna, Doch die Sixtinische ist leider bis jetzt nicht geköpft. Vasen werden zerbrochen und Trauerspiele vergiftet, Aber der Maler erharrt seinen Salvator umsonst. Sei der Seufzer verziehn! Und nun? Was quäl′ ich mich länger! Ist nur der Kopf erst gemalt, hängt sich ein Leib wohl daran.
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Interpretation
Das Gedicht "Monolog eines Modelljägers" von Friedrich Hebbel ist eine scharfe Kritik an der Kunstwelt des 19. Jahrhunderts. Der Sprecher, ein Modelljäger, beklagt die Schwierigkeit, passende Modelle für seine Gemälde zu finden. Er beginnt mit der Bewunderung eines "herrlichen Kopfes" eines einfachen Mannes, den er für seine Kunst nutzen möchte. Doch die Herausforderung besteht darin, den passenden Körper für diesen Kopf zu finden, was ihn dazu veranlasst, in der Ilias oder der Bibel nach geeigneten Vorbildern zu suchen. Die Suche nach der idealen Göttin oder Heiligen, die zu seinem Gemälde passt, wird zum zentralen Thema. Die Frustration des Sprechers wächst, als er feststellt, dass weder Juno noch Venus als passende Modelle in Frage kommen. Er verflucht die Heidinnen und entscheidet sich schließlich für die Madonna, doch auch hier stößt er auf ein Problem: Die Sixtinische Madonna ist noch nicht "geköpft", was seine Pläne durchkreuzt. Diese Passage verdeutlicht die Absurdität und den Zwang zur Perfektion, der in der Kunstwelt herrscht, wo selbst heilige Figuren zu bloßen Objekten der ästhetischen Gestaltung werden. Der Sprecher reflektiert über die Zerstörung von Vasen und die Vergiftung von Trauerspielen, was die Opfer und Kompromisse symbolisiert, die in der Kunst gemacht werden müssen. Trotzdem bleibt der Maler hartnäckig und wartet auf seinen "Salvator", der jedoch umsonst ist. Die abschließenden Zeilen zeigen die Resignation des Sprechers, der sich fragt, warum er sich länger quält. Die Lösung scheint einfach: Ist der Kopf erst gemalt, wird sich ein passender Körper schon finden. Dies unterstreicht die mechanische und oft willkürliche Natur der künstlerischen Schöpfung, bei der die Perfektion oft auf Kosten der Authentizität und des Respekts vor dem Modell erreicht wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Welcher Rumpfe jedoch setzt man am besten ihn auf?
- Anspielung
- Welchem Rumpfe jedoch setzt man am besten ihn auf? Ei, durchmustern wir schnell die Ilias oder die Bibel
- Metapher
- Welch ein herrlicher Kopf! Und einer der vielen des Pöbels!
- Personifikation
- Vasen werden zerbrochen und Trauerspiele vergiftet
- Rhetorische Frage
- Welcher Rumpfe jedoch setzt man am besten ihn auf?
- Übertreibung
- Vasen werden zerbrochen und Trauerspiele vergiftet