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Mondnachtzauber

Von

O wonniges Weben
In Höhen und Tiefen
Des wallenden Aethers!
Wie selige Geister
Grüßen die Sterne,
Die duftumflorten;
Weihend waltet
Die ewige Liebe.
Ich träume und träume …
Und wieder weckt
Eine Welt von Empfindung
Der Mondnacht Zauber
Im Busen mir.
Tiefe Wehmuth füllt
Mein einsames Herz.
Lang‘, lang‘ ist’s her …
Tief schwamm der Mond
Im Dämmer-Blau,
Ein blasses Traumgesicht;
Im nahen Korne nur
Zirpten die Grillen;
Wie von Geisterhänden
Magisch berührt
Erzitterten leise
Des wilden Weins
Phantastisch sich rankende
Blätter und Blüthen …
Heiße Worte der Sehnsucht
Entrangen sich zögernd
Dem tiefsten Grunde
Meiner traumbeklomm’nen
In heiligen Schauern
Erbebenden Brust.
Köstlichstumme
Selige Erwiderung
Ward mir von deinen
Duftkeuschen Lippen,
Du süße Frauenseele
An meiner Seite.
Eine Heilige, eine Madonna
Andachtumflossen
In lichter Glorie
Neigtest du lächelnd
Dein liebliches Haupt
Und im Innersten traf mich
Der Liebe Strahl
Aus dem zarten
Durchgeisteten Kinderantlitz.
Berauscht bis in’s Mark
Von deiner Engelsmilde
Und frau’nhaften Weiche,
O Anna,
Sank ich in’s Knie
Und küßte inbrünstig
Immer wieder und wieder
Deine feinen, weißen, duftigen Hände …
Von der Blumen Balsam
Lindkosend umflutet
Verschwisterten sich
In brünstiger Umarmung
In der Mainacht Gluthauch
Die unsterblichen Seelen
Zum ewigen Bunde …

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Mondnachtzauber von Wilhelm Arent

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Mondnachtzauber“ von Wilhelm Arent beschreibt eine romantische, fast transzendentale Erfahrung, die der Dichter in einer mondbeschienen Nacht erlebt hat. Das Gedicht ist von einer tiefen Sehnsucht und Melancholie geprägt, aber auch von der intensiven Glückseligkeit, die durch die Begegnung mit einer geliebten Person, hier namentlich „Anna“, ausgelöst wird. Die Verwendung von Bildern wie „selige Geister“, „duftumflorten Sterne“ und „heiligen Schauern“ deutet auf eine erhabene und spirituelle Dimension der Erfahrung hin, die über das bloße sinnliche Erleben hinausgeht.

Der erste Teil des Gedichts, beginnend mit „O wonniges Weben“, etabliert eine Atmosphäre des Träumens und der Verzauberung. Der Dichter scheint in einen Zustand erhöhter Sensibilität einzutreten, in dem die Welt um ihn herum auf eine besondere Weise wahrgenommen wird. Das „wallende Aether“ und die „seligen Geister“ schaffen eine mystische Umgebung. Diese Stimmung wird durch die Beschreibung des Mondes als „blasses Traumgesicht“ verstärkt. Die Erinnerung an die Vergangenheit, „Lang‘, lang‘ ist’s her …“, deutet darauf hin, dass die beschriebene Erfahrung bereits lange zurückliegt und nun in der Erinnerung verklärt wird.

Der zweite Teil des Gedichts, beginnend mit „Heiße Worte der Sehnsucht“, konzentriert sich auf die Begegnung mit Anna. Hier wird die Liebeserfahrung in all ihren Facetten geschildert: von den „zögernd“ entweichenden Worten der Sehnsucht bis hin zur „köstlichstummen“ Erwiderung. Annas Bild wird idealisiert; sie wird als „Heilige, eine Madonna“ beschrieben, was ihre Unschuld und Reinheit betont. Die körperliche Annäherung, das Küssen der Hände, wird als sakraler Akt dargestellt, der von einer tiefen Verehrung zeugt. Der Dichter scheint in dieser Nacht in einen Zustand der Ekstase versetzt zu werden.

Das Gedicht endet mit der Vereinigung der Liebenden, beschrieben als „In der Mainacht Gluthauch / Die unsterblichen Seelen / Zum ewigen Bunde“. Dies deutet auf eine tiefe, ewige Liebe hin, die über das irdische Dasein hinausreicht. Die Verwendung von Begriffen wie „unsterblichen Seelen“ und „ewigen Bunde“ unterstreicht die Transzendenz der Erfahrung. Die Natur spielt dabei eine wichtige Rolle. Der „Blumen Balsam“ und die „Mainacht Gluthauch“ tragen dazu bei, die sinnliche und emotionale Tiefe der Erfahrung zu verstärken. Insgesamt ist „Mondnachtzauber“ ein Gedicht über die transformative Kraft der Liebe, das die Grenzen zwischen Traum und Realität, Sinnlichkeit und Spiritualität verwischt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.