Mondnachtzauber

Wilhelm Arent

1885

O wonniges Weben In Höhen und Tiefen Des wallenden Aethers! Wie selige Geister Grüßen die Sterne, Die duftumflorten; Weihend waltet Die ewige Liebe. Ich träume und träume … Und wieder weckt Eine Welt von Empfindung Der Mondnacht Zauber Im Busen mir. Tiefe Wehmuth füllt Mein einsames Herz. Lang’, lang’ ist’s her … Tief schwamm der Mond Im Dämmer-Blau, Ein blasses Traumgesicht; Im nahen Korne nur Zirpten die Grillen; Wie von Geisterhänden Magisch berührt Erzitterten leise Des wilden Weins Phantastisch sich rankende Blätter und Blüthen … Heiße Worte der Sehnsucht Entrangen sich zögernd Dem tiefsten Grunde Meiner traumbeklomm’nen In heiligen Schauern Erbebenden Brust. Köstlichstumme Selige Erwiderung Ward mir von deinen Duftkeuschen Lippen, Du süße Frauenseele An meiner Seite. Eine Heilige, eine Madonna Andachtumflossen In lichter Glorie Neigtest du lächelnd Dein liebliches Haupt Und im Innersten traf mich Der Liebe Strahl Aus dem zarten Durchgeisteten Kinderantlitz. Berauscht bis in’s Mark Von deiner Engelsmilde Und frau’nhaften Weiche, O Anna, Sank ich in’s Knie Und küßte inbrünstig Immer wieder und wieder Deine feinen, weißen, duftigen Hände … Von der Blumen Balsam Lindkosend umflutet Verschwisterten sich In brünstiger Umarmung In der Mainacht Gluthauch Die unsterblichen Seelen Zum ewigen Bunde …

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Illustration zu Mondnachtzauber

Interpretation

Das Gedicht "Mondnachtzauber" von Wilhelm Arent beschreibt eine romantische und mystische Nacht, in der der Erzähler von den Schönheiten der Natur und der Anwesenheit seiner Geliebten Anna tief berührt ist. Die Stimmung ist erfüllt von Sehnsucht, Liebe und einer fast heiligen Andacht. Der Mond und die Sterne schaffen eine traumhafte Atmosphäre, in der sich die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie verwischen. Die Natur wird als lebendig und beseelt dargestellt, mit "wonnigem Weben" in den Höhen und Tiefen des Äthers. Die Sterne werden als "selige Geister" beschrieben, die den Erzähler grüßen. Die ewige Liebe waltet über allem, und der Erzähler träumt und träumt, von einer Welt der Empfindungen durch den Zauber der Mondnacht in seinem Busen geweckt. Der zweite Teil des Gedichts konzentriert sich auf die Begegnung mit Anna. Sie wird als heilige, madonnenähnliche Figur dargestellt, umflossen von Andacht und in lichter Glorie. Der Erzähler ist tief bewegt von ihrer Engelsmilde und fraulichen Weiche. Er sinkt in die Knie und küsst ihre Hände inbrünstig, überwältigt von ihrer Gegenwart. In der Hitze der Mainacht verschmelzen ihre unsterblichen Seelen in einer brünstigen Umarmung zum ewigen Bund.

Schlüsselwörter

selige liebe träume lang wonniges weben höhen tiefen

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Stilmittel

Alliteration
O Anna, Sank ich in's Knie Und küßte inbrünstig Immer wieder und wieder Deine feinen, weißen, duftigen Hände
Bildsprache
Tief schwamm der Mond Im Dämmer-Blau, Ein blasses Traumgesicht
Hyperbel
Berauscht bis in's Mark Von deiner Engelsmilde Und frau'nhaften Weiche
Metapher
Von der Blumen Balsam Lindkosend umflutet Verschwisterten sich In brünstiger Umarmung In der Mainacht Gluthauch Die unsterblichen Seelen Zum ewigen Bunde
Personifikation
Wie selige Geister Grüßen die Sterne, Die duftumflorten
Vergleich
Du süße Frauenseele An meiner Seite