Mondblick

August Stramm

1874

An meine Augen spannt der Schein. Das Schläfern glimmt in deine Kammer Gelbt hoch hinauf Und Schwület mich! Matt Bleicht das Bett Und Streift die Hüllen Stülpt frech das Hemd Verfröstelt Auf den Mond. Jetzt Leuchtest du Du Leuchtest leuchtest! Glast Blaut die Hand In glühewehe Leere Reißt nach den Himmel Mond und Sterne Stürzen Schlagen um mich Wirbeln Tasten Halt Halt Halt! Und Zittern aus zu Ruh Am alten Platz! In Deinem Fenster droben Gähnmüd Blinzt Die Nacht!

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Illustration zu Mondblick

Interpretation

Das Gedicht "Mondblick" von August Stramm beschreibt eine intensive, fast überwältigende Erfahrung des Mondlichts, das den Sprecher in seinen Bann zieht. Der Mondschein wird als eine mächtige Kraft dargestellt, die den Raum durchdringt und den Sprecher in einen Zustand der Verzückung versetzt. Die Bilder sind lebendig und sinnlich, wobei das Mondlicht den Raum gelb färbt und den Sprecher in seinen Bann zieht, bis er schließlich in die Weite des Nachthimmels blickt, wo Mond und Sterne um ihn herumwirbeln. Die Sprache des Gedichts ist geprägt von Stramms charakteristischem Stil, der durch unkonventionelle Syntax und Wortneuschöpfungen gekennzeichnet ist. Die Worte werden oft auseinandergerissen und neu zusammengesetzt, was eine dynamische und bewegte Atmosphäre schafft. Die Wiederholungen und die unregelmäßige Zeilenstruktur verstärken das Gefühl der Überwältigung und des Verlusts der Kontrolle, das der Sprecher zu erleben scheint. Am Ende des Gedichts kehrt der Sprecher zu einem Zustand der Ruhe zurück, wenn auch nur vorübergehend. Die Nacht blickt "gähnmüd" aus dem Fenster, was auf eine gewisse Erschöpfung oder Resignation hindeutet. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Ambivalenz – einer Mischung aus Faszination und Überwältigung durch die natürliche Schönheit des Mondlichts und des Nachthimmels.

Schlüsselwörter

leuchtest halt mond augen spannt schein schläfern glimmt

Wortwolke

Wortwolke zu Mondblick

Stilmittel

Alliteration
Bleicht das Bett
Anapher
Leuchtest du / Du / Leuchtest leuchtest!
Bildsprache
Das Schläfern glimmt in deine Kammer
Enjambement
An meine Augen spannt der Schein. / Das Schläfern glimmt in deine Kammer
Metapher
An meine Augen spannt der Schein
Personifikation
Mond und Sterne / Stürzen / Schlagen um mich
Reihung
Tasten / Halt Halt Halt!
Wiederholung
Leuchtest leuchtest!