Mitunter weicht von meiner Brust
1885Mitunter weicht von meiner Brust, Was sie bedrückt seit deinem Sterben; Es drängt mich, wie in Jugendlust, Noch einmal um das Glück zu werben.
Doch frag ich dann: Was ist das Glück? So kann ich keine Antwort geben Als die, daß du mir kämst zurück, Um so wie einst mit mir zu leben.
Dann seh ich jenen Morgenschein, Da wir dich hin zur Gruft getragen; Und lautlos schlafen die Wünsche ein, Und nicht mehr will ich das Glück erjagen.
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Interpretation
Das Gedicht "Mitunter weicht von meiner Brust" von Theodor Storm handelt von der Trauer und Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einem verstorbenen geliebten Menschen. Der Sprecher beschreibt, wie er gelegentlich von seiner Trauer befreit wird und den Wunsch verspürt, aufs Neue um das Glück zu werben, wie in seiner Jugend. Doch wenn er sich fragt, was Glück eigentlich bedeutet, kann er nur eine Antwort geben: dass die geliebte Person zu ihm zurückkehren möge, um mit ihm so zu leben wie einst. Die zweite Strophe verdeutlicht die tiefe Verbundenheit und die Unersetzbarkeit des Verstorbenen für das lyrische Ich. Das Glück ist untrennbar mit der Anwesenheit des geliebten Menschen verbunden, und ohne diese Person erscheint das Glück unerreichbar. Die Erinnerung an den Tag der Beerdigung, den "Morgenschein", in dem der Sprecher den Verstorbenen zur Gruft getragen hat, unterstreicht die Endgültigkeit des Verlusts und die tiefe Trauer, die damit einhergeht. In der letzten Strophe findet das lyrische Ich eine Art Resignation. Die Sehnsucht nach dem Glück und die Wünsche schlafen ein, und der Sprecher gibt auf, das Glück erjagen zu wollen. Dies kann als eine Art Akzeptanz des Verlusts und der Unmöglichkeit, die Vergangenheit zurückzugewinnen, interpretiert werden. Das Gedicht vermittelt auf eindringliche Weise die tiefe Trauer und die Schwierigkeit, mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen, und zeigt, wie die Erinnerung an die gemeinsame Zeit sowohl Trost spendet als auch die Sehnsucht nach dem Verlorenen schürt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Und lautlos schlafen die Wünsche ein
- Personifikation
- Es drängt mich, wie in Jugendlust
- Rhetorische Frage
- Doch frag ich dann: Was ist das Glück?