Mitunter freilich kommen Stunden

Cäsar Flaischlen

1864

Mitunter freilich kommen Stunden: und was du nie bewußt empfunden, gleich einem grauen Regen regnet′s dir ins Herz, und wie ein scheuer Bettler bleibst du stehn, verstohlen durch die Hecken zu spähn, hinter denen sie sitzen und plaudern und lachen, fröhliche Menschen in fröhlichen Kleidern … plaudern, lachen, singen und küssen so leichten Bluts, so frohen Muts:

Als ob es all das Schwere gar nicht gäbe, an das du so viel Kraft verfehlst! als ob der Kampf, von dem du sprichst, und all die Müh und Sorge … nichts! als ob es eitel Hirngespinste, worüber du dich härmst und quälst! und als ob allen, die da sitzen so kinderfroh und singen und spielen, tanzen und küssen, erfüllt schon längst, was du als letzten Dank dir denkst, als Endlohn für Jahre voll Kampf und Schmerz …

Und wie ein grauer Regen regnet′s dir ins Herz und wie ein Bettler drückst du dich von dannen einsam deinen einsamen Weg.

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Illustration zu Mitunter freilich kommen Stunden

Interpretation

Das Gedicht "Mitunter freilich kommen Stunden" von Cäsar Flaischlen thematisiert die schmerzhafte Erfahrung von Einsamkeit und Ausgeschlossenheit. Der lyrische Ich-Erzähler beschreibt, wie er in bestimmten Stunden von einer tiefen Traurigkeit überwältigt wird, die wie ein "grauer Regen" in sein Herz regnet. Er fühlt sich wie ein "scheuer Bettler", der von außen zuschaut, während andere fröhlich beisammen sind und sich am Leben erfreuen. Der Kontrast zwischen der scheinbaren Leichtigkeit und Unbeschwertheit der anderen und der eigenen schweren, mühevollen Existenz des Erzählers wird deutlich. Während die anderen lachen, singen und küssen, als ob es all das "Schwere" nicht gäbe, fühlt sich der Erzähler von den Kämpfen und Sorgen des Lebens überwältigt. Die Freude der anderen erscheint ihm wie eine "Hirngespinste", über die er sich ärgert und quält. Am Ende des Gedichts zieht sich der Erzähler einsam und verlassen zurück, niedergeschlagen von dem Regen der Traurigkeit und dem Gefühl der Ausgeschlossenheit. Die letzten Zeilen unterstreichen die tiefe Einsamkeit und Isolation des lyrischen Ichs, das seinen "einsamen Weg" allein weitergehen muss, während die anderen in ihrer Fröhlichkeit vereint bleiben.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
plaudern, lachen, singen und küssen
Hyperbel
so leichten Bluts, so frohen Muts
Kontrast
fröhliche Menschen in fröhlichen Kleidern ... plaudern, lachen, singen und küssen
Metapher
gleich einem grauen Regen regnet's dir ins Herz
Parallelismus
so kinderfroh und singen und spielen, tanzen und küssen
Personifikation
als ob es all das Schwere gar nicht gäbe
Rhetorische Frage
als ob der Kampf, von dem du sprichst, und all die Müh und Sorge ... nichts!
Symbolik
grauer Regen
Vergleich
wie ein scheuer Bettler bleibst du stehn
Wiederholung
Und wie ein grauer Regen regnet's dir ins Herz