Mittel zum Vergnügen

Johanna Charlotte Unzer

1753

Schwestern! wollt ihr wissen, Wie ich mich vergnüge, Daß ich immer scherze, Daß ich immer singe, Daß ich auch im Winter, Wenn auch schon die Rosen Unser Haupt nicht krönen, Doch noch immer scherze? Machts wie ich, und liebet! Doch liebet nicht nur Männer: Liebet auch die Tugend; Liebet schöne Bücher; Stimmet auch die Saiten, Dichtet schöne Lieder; Singet von der Liebe! Liebt ihr aber Männer; O! so liebt nur einen, Liebet ihn recht zärtlich, Scherzt mit eurem Freunde: So seyd ihr recht glücklich!

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Illustration zu Mittel zum Vergnügen

Interpretation

Das Gedicht "Mittel zum Vergnügen" von Johanna Charlotte Unzer ist eine lebhafte Ode an die Lebensfreude und die verschiedenen Wege, wie man sich Vergnügen und Glück verschaffen kann. Die Autorin richtet sich direkt an ihre "Schwestern" und möchte ihnen vermitteln, wie sie selbst stets fröhlich und singend durchs Leben geht, selbst in den kalten Wintermonaten, wenn die Rosen nicht mehr blühen. Sie stellt eine Art Rezept für ein glückliches Leben vor, das über die bloße romantische Liebe hinausgeht. Unzer betont, dass wahre Freude aus verschiedenen Quellen gespeist werden kann. Sie ermutigt dazu, nicht nur Männer zu lieben, sondern auch die Tugend, schöne Bücher und die Künste wie das Musizieren und das Dichten. Diese Aktivitäten werden als Mittel zum Vergnügen dargestellt, die ein erfülltes und glückliches Leben ermöglichen. Die Autorin plädiert für eine breite Palette an Interessen und Leidenschaften, die das Leben bereichern und die Stimmung heben können. Im letzten Teil des Gedichts geht Unzer auf die Liebe zu Männern ein. Sie rät, wenn man sich für diese Art der Liebe entscheidet, sich auf einen einzigen Partner zu konzentrieren und diese Beziehung mit Zärtlichkeit und Scherzen zu pflegen. Die abschließende Zeile "So seyd ihr recht glücklich!" fasst die Botschaft des Gedichts zusammen: Glücklichsein ist erreichbar durch eine Kombination aus vielfältigen Interessen, künstlerischer Betätigung, tugendhaftem Leben und, wenn gewollt, einer fokussierten romantischen Beziehung.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Daß ich immer scherze, Daß ich immer singe
Aufzählung
Liebet auch die Tugend; Liebet schöne Bücher; Stimmet auch die Saiten, Dichtet schöne Lieder; Singet von der Liebe!
Imperativ
Macht wie ich, und liebet!
Metapher
Wenn auch schon die Rosen Unser Haupt nicht krönen