Mittagsruh

Joseph von Eichendorff

1788

Über Bergen, Fluß und Talen, Stiller Lust und tiefen Qualen Webet heimlich, schillert, Strahlen! Sinnend ruht des Tags Gewühle In der dunkelblauen Schwüle, Und die ewigen Gefühle, Was dir selber unbewußt, Treten heimlich, groß und leise Aus der Wirrung fester Gleise, Aus der unbewachten Brust, In die stillen, weiten Kreise.

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Illustration zu Mittagsruh

Interpretation

Das Gedicht "Mittagsruh" von Joseph von Eichendorff ist eine lyrische Beschreibung der Mittagszeit, die als eine Phase der Ruhe und Besinnung dargestellt wird. Der Dichter nutzt die Mittagsstunde als Metapher für einen Zustand der inneren Einkehr und des Nachdenkens über das Leben. Die Natur wird als Spiegel der menschlichen Seele dargestellt, wobei die Stille und die Hitze des Mittags als Kulisse für die Entfaltung tiefer Gefühle dienen. In den ersten Versen beschreibt Eichendorff die Landschaft als einen Ort, an dem sich Freude und Leid vermischen. Die Natur wird als lebendig und geheimnisvoll dargestellt, wobei das "Weben" und "Schillern" der Mittagsstunde eine Art magische Atmosphäre schaffen. Die "ewigen Gefühle", die sich in dieser Stille offenbaren, sind jene, die dem Menschen oft unbewusst sind, aber tief in seiner Seele verwurzelt liegen. Der Dichter deutet an, dass in der Ruhe des Mittags diese Gefühle an die Oberfläche treten können, um sich in der Weite des Tages zu verbreiten. Der letzte Teil des Gedichts führt die Idee der Befreiung von den "festen Gleisen" des Alltags fort. Die "unbewachte Brust" symbolisiert einen Zustand, in dem der Mensch nicht mehr durch die Zwänge der Gesellschaft oder des eigenen Verstandes gebunden ist. In dieser Freiheit können die "stillen, weiten Kreise" der Gefühle Gestalt annehmen, was eine Art spirituelle oder emotionale Erweiterung des Selbst bedeutet. Eichendorff vermittelt so eine Vision der Mittagsstunde als eine Zeit der inneren Befreiung und der Verbindung mit dem Unendlichen.

Schlüsselwörter

heimlich bergen fluß talen stiller lust tiefen qualen

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Wortwolke zu Mittagsruh

Stilmittel

Alliteration
Stiller Lust und tiefen Qualen
Assonanz
Sinnend ruht des Tags Gewühle
Metapher
In der dunkelblauen Schwüle
Personifikation
Was dir selber unbewußt
Wiederholung
heimlich