Mit einer Uhr
1932Ich wollt′ sie erst mit diesem Wunsch geleiten, Ich wollte sagen: “Liebster, laß Dir scheinen Bittere Stunden jene, die uns scheiden, Und süße Stunden, solche, die uns einen.”
Kaum war der Wunsch gedacht, als ich ihn bat “Sei ungetan!” Ach, der mich inbegriff, Kein Wunsch, der Dir nicht einmal Böses tat Im Meer der Zukunft, untergründig Riff…
Wie leicht mag sein, daß die Vergänglichkeit Mich nimmt, ihr Teil - “una ex hisce” rief Die Inschrift stumm. Dich träf in dieser Zeit
Mein Wunsch wie Fluch. Und also scheid ich aus Und bitte nur, daß Dich umschließe tief, Wo Du auch seist, des Glückes gastlich Haus.
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Interpretation
Das Gedicht "Mit einer Uhr" von Maria Luise Weissmann handelt von einer Abschiedssituation, in der die Sprecherin ihrem Liebsten einen Wunsch mit auf den Weg geben möchte. Sie wünscht sich, dass die Stunden, in denen sie getrennt sind, bitter und die Stunden, in denen sie zusammen sind, süß seien. Doch kaum hat sie diesen Wunsch gedacht, bittet sie ihn wieder abzubrechen, da sie befürchtet, dass er ihrem Liebsten in der Zukunft auch Schaden zufügen könnte. Die Sprecherin reflektiert über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unberechenbarkeit der Zukunft. Sie zitiert die Inschrift "una ex hisce" (eine von diesen), die auf der Uhr zu lesen ist und sie an die Vergänglichkeit erinnert. Sie fürchtet, dass ihr Wunsch in einer solchen Zeit wie ein Fluch wirken könnte. Daher entscheidet sie sich, ohne einen Wunsch zu gehen und bittet nur darum, dass ihr Liebster stets von Glück umgeben sei, egal wo er sich befindet. Das Gedicht thematisiert die Ambivalenz von Wünschen und Abschieden. Es zeigt die Sorge der Sprecherin um das Wohl ihres Liebsten und ihre Einsicht, dass selbst gut gemeinte Wünsche unbeabsichtigte negative Folgen haben können. Die Uhr symbolisiert dabei die Vergänglichkeit und die Ungewissheit der Zukunft. Am Ende entscheidet sich die Sprecherin für einen neutralen Abschiedswunsch, der ihrem Liebsten nur Gutes wünscht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Allusion
- 'una ex hisce' rief Die Inschrift stumm
- Hyperbel
- Ich wollte sagen: 'Liebster, laß Dir scheinen Bittere Stunden jene, die uns scheiden, Und süße Stunden, solche, die uns einen.'
- Metapher
- Des Glückes gastlich Haus
- Personifikation
- Ach, der mich inbegriff, Kein Wunsch, der Dir nicht einmal Böses tat Im Meer der Zukunft, untergründig Riff...