Mit den fahrenden Schiffen...

Georg Heym

1924

Mit den fahrenden Schiffen Sind wir vorübergeschweift, Die wir ewig herunter Durch glänzende Winter gestreift. Ferner kamen wir immer Und tanzten im insligen Meer, Weit ging die Flut uns vorbei, Und Himmel war schallend und leer.

Sage die Stadt, Wo ich nicht saß im Tor, Ging dein Fuß da hindurch, Der die Locke ich schor? Unter dem sterbenden Abend Das suchende Licht Hielt ich, wer kam da hinab, Ach, ewig in fremdes Gesicht.

Bei den Toten ich rief, Im abgeschiedenen Ort, Wo die Begrabenen wohnen; Du, ach, warest nicht dort. Und ich ging über Feld, Und die wehenden Bäume zu Haupt Standen im frierenden Himmel Und waren im Winter entlaubt.

Raben und Krähen Habe ich ausgesandt, Und sie stoben im Grauen Über das ziehende Land. Aber sie fielen wie Steine Zur Nacht mit traurigem Laut Und hielten im eisernen Schnabel Die Kränze von Stroh und Kraut.

Manchmal ist deine Stimme, Die im Winde verstreicht, Deine Hand, die im Traume Rühret die Schläfe mir leicht; Alles war schon vorzeiten. Und kehret wieder sich um. Gehet in Trauer gehüllet, Streuet Asche herum.

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Interpretation

Das Gedicht "Mit den fahrenden Schiffen" von Georg Heym thematisiert die Sehnsucht und die vergebliche Suche nach einer verlorenen oder unerreichbaren Liebe. Die ersten Strophen schildern eine Reise durch die Zeit und die Welt, symbolisiert durch "fahrende Schiffe", die durch "glänzende Winter" und das "inslige Meer" ziehen. Die Bilder von Weite und Leere ("schallend und leer") deuten auf Isolation und die Unfassbarkeit des Begehrten hin. In der zweiten Strophe wird die Suche konkret: Der Sprecher fragt nach einer Stadt, in der er nicht "im Tor saß", und nach einem Fuß, der durch eine bestimmte Tür ging. Die Erwähnung einer Locke, die er schor, und das "suchende Licht" unter dem "sterbenden Abend" verstärken die Atmosphäre von Sehnsucht und Verlust. Der Satz "Ach, ewig in fremdes Gesicht" drückt die Frustration aus, die Geliebte immer nur in anderen zu erblicken. Die folgenden Strophen zeigen die Verzweiflung des Sprechers: Er ruft bei den Toten, durchwandert winterliche Felder und schickt Raben und Krähen aus, die jedoch wie Steine zur Nacht fallen. Diese Symbole – Tod, Winter, fallende Vögel – verdeutlichen die Nutzlosigkeit seiner Bemühungen. Der Schluss deutet an, dass selbst Träume und Erinnerungen ("deine Stimme", "deine Hand") nur Wiederholungen der Vergangenheit sind, eingehüllt in Trauer und Asche. Das Gedicht endet in Resignation und der Erkenntnis, dass die Suche vergeblich ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
tanzten im insligen Meer
Frage
Sage die Stadt, Wo ich nicht saß im Tor
Metapher
Streuet Asche herum
Personifikation
Mit den fahrenden Schiffen Sind wir vorübergeschweift