Min Jehann
1819Ik wull, wi weern noch kleen, Jehann, Do weer de Welt so grot! Wi seten op den Steen, Jehann, Weest noch? bi Nawers Sot. An Heben seil de stille Maan, Wi segen, wa he leep, Un snacken, wa de Himmel hoch Un wa de Sot wul deep.
Weest noch, wa still dat weer, Jehann? Dar röhr keen Blatt an Bom. So is dat nu ni mehr, Jehann, As höchstens noch in Drom. Och ne, wenn do de Scheper sung Alleen, int wide Feld: Ni wahr, Jehann? dat weer en Ton! De eenzige op de Welt.
Mitünner inne Schummerntid Denn ward mi so to Mod. Denn löppt mi′t langs den Rügg so hitt, As domals bi den Sot. Denn dreih ik mi so hasti um, As weer ik nich alleen: Doch allens, wat ik finn, Jehann, Dat is - ik sta un ween.
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Interpretation
Das Gedicht "Min Jehann" von Klaus Groth handelt von einer tiefen Sehnsucht nach vergangener Zeit und einer verlorenen Freundschaft. Der Sprecher wünscht sich zurück in die Kindheit, als die Welt noch groß und voller Wunder erschien. Gemeinsam mit Jehann saßen sie am Bach, betrachteten den Mond und philosophierten über Himmel und Erde. Diese Erinnerungen sind geprägt von Stille und Einfachheit, in der selbst das Lied eines Schäfers einzigartig und bedeutungsvoll erschien. Die Gegenwart wird dagegen als verblasst und entrückt beschrieben. Die Stille der Kindheit existiert nur noch in Träumen, und die Welt ist nicht mehr so voller Magie. Der Sprecher fühlt sich einsam und melancholisch, besonders in der Dämmerung, wenn Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Jehann aufkommen. Diese Momente lösen eine körperliche Reaktion aus, ein Zittern entlang des Rückens, das an die vergangene Intensität der Gefühle erinnert. Am Ende des Gedichts steht die tiefe Einsamkeit des Sprechers. Wenn er sich umdreht in der Hoffnung, Jehann zu finden, bleibt nur die eigene Trauer zurück. Das Gedicht vermittelt die unausweichliche Vergänglichkeit der Zeit und die schmerzhafte Erkenntnis, dass manche Verluste unwiederbringlich sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Doch allens, wat ik finn, Jehann
- Metapher
- As höchstens noch in Drom
- Personifikation
- Dar röhr keen Blatt an Bom
- Vergleich
- As weer ik nich alleen