Mignon
1782Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht - Kennst du es wohl? Dahin! Dahin Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach, Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach, Und Marmorbilder stehn und sehn mich an: Was hat man dir, du armes Kind, getan? - Kennst du es wohl? Dahin! Dahin Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn!
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg? Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg, In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut, Es stürzt der Fels und über ihn die Flut - Kennst du ihn wohl? Dahin! Dahin Geht unser Weg; o Vater, laß uns ziehn!
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Interpretation
Das Gedicht "Mignon" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von Sehnsucht und dem Wunsch nach einem fernen, paradiesischen Land. Die Protagonistin Mignon beschreibt ein Land, in dem Zitronen und Gold-Orangen blühen, umgeben von einer sanften Brise und blauem Himmel. Dieses Land symbolisiert einen Ort der Schönheit und des Friedens, an den sich Mignon sehnt und den sie gemeinsam mit ihrem Geliebten erkunden möchte. In den folgenden Strophen beschreibt Mignon ein Haus, das auf Säulen ruht und mit glänzenden Sälen und schimmernden Gemächern ausgestattet ist. Marmorbilder scheinen sie anzusehen, was eine Verbindung zu ihrer Vergangenheit oder zu einem verlorenen Zuhause suggeriert. Die Frage "Was hat man dir, du armes Kind, getan?" deutet auf eine traumatische Erfahrung hin, die Mignon erlitten hat, und verstärkt den Wunsch, mit ihrem Beschützer an einen sicheren und vertrauten Ort zu ziehen. Das Gedicht endet mit der Beschreibung eines Berges, der von Wolken umgeben ist und einen gefährlichen Weg birgt. Die Erwähnung eines Maultiers, das seinen Weg durch den Nebel sucht, und der Drachenbrut, die in Höhlen wohnt, verleiht der Szene eine mythische und abenteuerliche Note. Der Felssturz und die Flut unterstreichen die Gefahr und Unberechenbarkeit des Weges. Mignon bittet ihren Vater, mit ihr auf diesen Weg zu gehen, was auf eine Reise ins Unbekannte und möglicherweise auf eine Suche nach Identität oder Erlösung hindeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, ... Kennst du es wohl? Dahin! Dahin ... Kennst du das Haus? ... Kennst du es wohl? Dahin! Dahin ... Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg? ... Kennst du ihn wohl? Dahin! Dahin
- Apostrophe
- o mein Geliebter, o mein Beschützer, o Vater
- Hyperbel
- Es stürzt der Fels und über ihn die Flut
- Metapher
- Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn
- Personifikation
- Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht
- Rhetorische Frage
- Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?