Michelangelo

Johann Heinrich Merck

1741

Einst malet Angelo, das Wunder seiner Zeiten, Das Weltgericht, des Himmels off´ne Freuden Und auch der Hölle off´ne Qual, Und die Hölle setzt er nebst Prälaten Und vielen bischöflichen Gnaden Auch einen großen Kardinal. Und ungelobt und unbezahlt Ist das Porträt daran so trefflich ausgemalt, Daß jeder, der ihn sah und kannte, Ihn glich bei seinem Namen nannte. Der Kardinal erfährts. O wüßt´er´s niemals nicht! Wie wird´s dem armen Künstler gehen? Der Kardinal will das Gemälde sehen. Er kommt und sieht und spricht: “Wie sehr bewund´re ich die wahre Meisterhand! Da mich doch Angelo von weitem nur gekannt. Wie groß ist nicht des Künstlers Gabe, Er trifft mich, da ich ihm doch nie gesessen habe.” Bewundernd sieht er es noch einmal : Dankt ihm und geht. Der große Mann!

O welche Fabel aus der goldnen Zeit, Ein Priester ist beleidigt und verzeiht.

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Illustration zu Michelangelo

Interpretation

Das Gedicht "Michelangelo" von Johann Heinrich Merck handelt von einem Gemälde des berühmten Künstlers Michelangelo, auf dem er das Jüngste Gericht sowie Himmel und Hölle darstellt. In der Hölle platziert Michelangelo unter anderem einen Kardinal, der auf dem Gemälde so gut getroffen ist, dass jeder ihn erkennt. Der Kardinal erfährt von seiner Darstellung und möchte das Gemälde sehen. Er ist beeindruckt von der Meisterleistung Michelangelos, der ihn so gut getroffen hat, obwohl er ihn nie persönlich gesehen hat. Der Kardinal dankt Michelangelo und geht, ohne sich über die Beleidigung zu ärgern. Das Gedicht endet mit einer Reflexion über die "goldene Zeit", in der ein Priester beleidigt wurde, aber verziehen hat. Es wird suggeriert, dass dies ein Zeichen für eine tugendhafte und edle Zeit war.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anspielung
O welche Fabel aus der goldnen Zeit
Ironie
Einst malet Angelo, das Wunder seiner Zeiten Das Weltgericht
Metapher
Das Weltgericht, des Himmels off´ne Freuden Und auch der Hölle off´ne Qual
Personifikation
des Himmels off´ne Freuden
Übertreibung
Ein Priester ist beleidigt und verzeiht