Mich ergriff der Schmerz und sprach

Maria Luise Weissmann

1929

Mich ergriff der Schmerz und sprach:

Nun bist du mein. Ich bin das starke Haus, das dich behaust, Ich bin im Haus der stärkste Stein. Wenn du vertraust - Ich bin das sichre Haus und schließ dich ein.

Ich bin das Brot, Ich bin das gute Brot, das dich erhält, Ich bin im Brot die große Not, Die dich befällt, Speis ich dich nicht; ich bin das Brot.

Ich bin der Wind, Ich bin der Atem, der dich weich umweht. Ich bin (die laue) Luft, die dich umsinnt, Die nur zu kommen geht. So bist du mein. Ich bin der weite Wind.

Versieh dich nicht - Ich bin es auch, die deine Hand sich bricht, Die Blume klein. Und bin das Licht, Das süße Licht, Das sie umflicht - Denn du bist mein. Versieh dich nicht!

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Illustration zu Mich ergriff der Schmerz und sprach

Interpretation

Das Gedicht "Mich ergriff der Schmerz und sprach" von Maria Luise Weissmann handelt von der allgegenwärtigen und übermächtigen Natur des Schmerzes, der den Menschen ergreift und zu seinem Besitz erklärt. Der Schmerz nimmt verschiedene Formen an, um seine Präsenz und Dominanz zu verdeutlichen. In den ersten beiden Strophen personifiziert der Schmerz sich selbst als ein starkes Haus und als lebensnotwendiges Brot. Das Haus symbolisiert Schutz und Geborgenheit, doch der Schmerz betont, dass er der stärkste Stein im Haus ist und den Menschen in sich einschließt. Das Brot steht für die Ernährung und das Überleben, aber der Schmerz droht damit, den Menschen nicht zu speisen und somit sein Leben zu gefährden. Die dritte Strophe vergleicht den Schmerz mit dem Wind und der Luft, die den Menschen umgeben und durchdringen. Der Schmerz ist allgegenwärtig und beeinflusst das Denken und Fühlen des Menschen. In der letzten Strophe offenbart der Schmerz seine zerstörerische Seite, indem er die Hand des Menschen bricht und die kleine Blume zerbricht. Doch gleichzeitig ist er auch das süße Licht, das die Blume umflicht. Der Schmerz ist also sowohl zerstörerisch als auch verführerisch, und der Mensch kann sich ihm nicht entziehen. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Idee, dass der Schmerz ein integraler Bestandteil des menschlichen Lebens ist und den Menschen in vielerlei Hinsicht beeinflusst und bestimmt. Der Schmerz ist sowohl schützend als auch bedrohlich, nährend als auch zerstörerisch. Der Mensch kann sich dem Schmerz nicht entziehen, sondern muss lernen, mit ihm zu leben und seine verschiedenen Facetten zu akzeptieren.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
[Ich bin das starke Haus, das dich behaust Ich bin im Haus der stärkste Stein Ich bin das sichre Haus und schließ dich ein Ich bin das Brot, das dich erhält Ich bin im Brot die große Not Ich bin der Wind, der Atem, der dich weich umweht Ich bin (die laue) Luft, die dich umsinnt Ich bin es auch, die deine Hand sich bricht Ich bin das Licht, das süße Licht]
Apostrophe
[Mich ergriff der Schmerz und sprach]
Hyperbel
[Ich bin das starke Haus, das dich behaust Ich bin im Haus der stärkste Stein Ich bin das Brot, das dich erhält Ich bin der Wind, der Atem, der dich weich umweht Ich bin das Licht, das süße Licht]
Metapher
[Ich bin das starke Haus, das dich behaust Ich bin im Haus der stärkste Stein Ich bin das Brot, das dich erhält Ich bin der Atem, der dich weich umweht Ich bin (die laue) Luft, die dich umsinnt Ich bin es auch, die deine Hand sich bricht Ich bin das Licht, das süße Licht]
Parallelismus
[Ich bin das starke Haus, das dich behaust Ich bin im Haus der stärkste Stein Ich bin das sichre Haus und schließ dich ein Ich bin das Brot, das dich erhält Ich bin im Brot die große Not Ich bin der Wind, der Atem, der dich weich umweht Ich bin (die laue) Luft, die dich umsinnt Ich bin es auch, die deine Hand sich bricht Ich bin das Licht, das süße Licht]
Personifikation
[Mich ergriff der Schmerz und sprach Ich bin das sichre Haus und schließ dich ein Ich bin im Brot die große Not Ich bin es auch, die deine Hand sich bricht Ich bin das Licht, das süße Licht, das sie umflicht]
Wiederholung
[Ich bin Denn du bist mein Versieh dich nicht]