Merseburger Zaubersprüche
1841I.
Eiris sâzun idisi, sâzun hêra duoder. Suma hapt heptidum, suma heri lezidun, suma clûbôdun umbi cuoniouuidi: insprinc haptbandum, inuar uîgandun!
II.
Dû uuart demo Balderes uolon sîn uuoz birenkit. Thû biguol en Sinthgunt, Sunna era suister, thû biguol en Frîia, Uolla era suister; thû biguol en Uuôdan sô hê uuola conda: sôse bênrenkî, sôse blutrenkî,
sôse lidirenkî:
bên zi bêna, bluot zi bluoda, lid zi geliden, sôse gelimida sin!
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Interpretation
Das Gedicht Merseburger Zaubersprüche von Unbekannt besteht aus zwei Teilen, die beide als Zaubersprüche interpretiert werden können. Im ersten Teil werden die Idisi, weibliche Geister oder Göttinnen, beschrieben, die in unterschiedlichen Handlungen dargestellt werden. Einige fesseln, andere befreien und wieder andere verbinden sich mit den Kämpfern, was auf ihre Rolle in der Schlacht und im Schicksal der Krieger hindeutet. Im zweiten Teil des Gedichts wird ein Heilzauber beschrieben, der von Balders Pferd ausgeht, das verletzt ist. Die Göttinnen Sinthgunt, Sunna, Frija und Volla sowie der Gott Wodan werden angerufen, um das Pferd zu heilen. Der Zauber beinhaltet die Bitte, dass das Bein zum Bein, das Blut zum Blut und die Glieder zur Gliederung werden, was auf eine rituelle Heilung hindeutet. Die Merseburger Zaubersprüche sind somit ein Beispiel für germanische Zauberei und Religion, die in der mittelalterlichen Dichtung festgehalten wurden. Sie zeigen die enge Verbindung zwischen Göttern, Geistern und der menschlichen Welt sowie die Bedeutung von Ritualen und Beschwörungen im germanischen Kulturkreis.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sôse bênrenkî, sôse blutrenkî
- Anapher
- thû biguol en Sinthgunt, Sunna era suister
- Formel
- sôse gelimida sin
- Metapher
- insprinc haptbandum, inuar uîgandun
- Parallelismus
- bên zi bêna, bluot zi bluoda, lid zi geliden