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Merkur und Amor

Von

Merkur und Amor zogen
Auf Abenteuer durch das Land.
Einst wünscht sich jener Pfeil und Bogen;
Und gibt für Amors Pfeil und Bogen
Ihm seinen vollen Beutel Pfand.

Mit so vertauschten Waffen zogen,
Und ziehn noch, beide durch das Land.
Wenn jener Wucher sucht mit Pfeil und Bogen,
Entzündet dieser Herzen durch das Pfand.

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Gedicht: Merkur und Amor von Gotthold Ephraim Lessing

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Merkur und Amor“ von Gotthold Ephraim Lessing ist eine kleine, pointierte Fabel, die auf spielerische Weise die Macht von Geld und Liebe in Frage stellt und ihre wechselseitige Beziehung thematisiert. Im Zentrum steht die Tauschhandlung zwischen Merkur, dem Götterboten und Gott des Handels, und Amor, dem Gott der Liebe. Merkur tauscht seinen Geldbeutel gegen Amors Pfeil und Bogen, wodurch die Rollen von Handel und Liebe vertauscht werden.

Die ersten beiden Strophen beschreiben den Tauschvorgang und die darauf folgende gemeinsame Reise durch das Land. Der Tausch der Waffen symbolisiert die Vermischung der Bereiche: Merkurs Geldbeutel, das Symbol für Reichtum und Handel, wird zu Amors Waffen, während Amors Pfeil und Bogen zu Merkurs Werkzeugen werden. Dies deutet darauf hin, dass Geld und Liebe in ihrer Wirkung austauschbar werden können. Durch diese Vertauschung wird die Bedeutung von Liebe und Handel hinterfragt und ihre potenziellen Auswirkungen auf das menschliche Leben angedeutet.

In der dritten Strophe wird die Wirkung des Tauschs klar. Mit Amors Waffen, die nun in Merkurs Händen sind, treibt dieser Wucher, also unlauteren Handel. Amors Pfeile, die er durch den Geldbeutel ersetzt hat, dienen nun dazu, Herzen zu entflammen. Diese Verse veranschaulichen, wie die Vertauschung der Attribute zu einer Verzerrung der ursprünglichen Werte führt. Liebe, die nun mit Geld erkauft werden kann, und Handel, der durch Leidenschaft und Verführung getrieben wird.

Lessings Gedicht ist somit eine kleine Satire auf die menschlichen Schwächen und die Verflechtungen von materiellen Werten und emotionalen Bedürfnissen. Die einfache Sprache und die klare Struktur des Gedichts machen es leicht verständlich und unterstreichen die Moral der Geschichte. Die Figuren von Merkur und Amor werden als Archetypen eingesetzt, um universelle Themen wie Gier, Macht und Liebe zu beleuchten und die Leser zum Nachdenken über die Bedeutung dieser Kräfte in ihrem eigenen Leben anzuregen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.