Menschliches Elende

Andreas Gryphius

1616

Was sind wir Menschen doch! Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen. Ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit, Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid. Ein bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen.

Dies Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen. Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid Und in das Totenbuch der großen Sterblichkeit Längst eingeschrieben sind, sind uns aus Sinn und Herzen.

Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt Und wie ein Strom verscheußt, den keine Macht aufhält, So muß auch unser Nam, Lob, Ehr und Ruhm verschwinden.

Was itzund Atem holt, muß mit der Luft entfliehn; Was nach uns kommen wird, wird uns in Grab nachziehn. Was sag ich? wir vergehn, wie Rauch von starken Winden.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Menschliches Elende

Interpretation

Das Gedicht "Menschliches Elende" von Andreas Gryphius beschreibt die Vergänglichkeit und die Leiden des menschlichen Daseins. Gryphius malt ein düsteres Bild der Menschheit als Wohnhaus des Schmerzes, als vergängliches Glück und als Bühne der Angst und des Leids. Das Leben wird als flüchtig dargestellt, wie schmelzender Schnee oder erloschene Kerzen, und die Vergänglichkeit wird durch den Vergleich mit einem flüchtigen Gespräch oder Scherz betont. Im zweiten Teil des Gedichts reflektiert Gryphius über die Sterblichkeit und die Vergänglichkeit des Lebens. Die Verstorbenen sind aus dem Gedächtnis und dem Herzen der Lebenden verschwunden, ähnlich wie ein Traum, der schnell verblasst, oder ein Strom, der unaufhaltsam fließt. Der Ruhm und die Ehre der Menschen werden als vergänglich dargestellt, die mit dem Atem vergehen und von den Nachkommen in den Grab gezogen werden. Gryphius schließt das Gedicht mit einer kraftvollen Metapher, die die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens mit Rauch vergleicht, der von starken Winden verweht wird. Diese Bildsprache unterstreicht die Fragilität und Vergänglichkeit des menschlichen Daseins und die Unausweichlichkeit des Todes.

Schlüsselwörter

muß menschen wohnhaus grimmer schmerzen ball falschen glücks

Wortwolke

Wortwolke zu Menschliches Elende

Stilmittel

Alliteration
Geschwätz und Scherzen, schwachen Leibes Kleid, Sterblichkeit, eingeschrieben sind
Chiasmus
Was itzund Atem holt, muß mit der Luft entfliehn; Was nach uns kommen wird, wird uns in Grab nachziehn
Hyperbel
ein Irrlicht dieser Zeit, bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen
Metapher
Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen, Ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit, Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid, Ein bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen
Personifikation
Dies Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen
Vergleich
Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt, Und wie ein Strom verscheußt, den keine Macht aufhält