Menschheit

Georg Trakl

1913

Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt, Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen, Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt, Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen: Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld. Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl. Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen Und jene sind versammelt zwölf an Zahl. Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen; Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal.

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Interpretation

Das Gedicht "Menschheit" von Georg Trakl beschreibt die Menschheit als eine dunkle, von Gewalt und Verzweiflung geprägte Gemeinschaft. Die erste Strophe zeichnet ein düsteres Bild von Menschen, die vor "Feuerschlünden" stehen, begleitet von Trommelwirbel und Schritten durch "Blutnebel". Die Atmosphäre ist von "schwarzem Eisen" und "Verzweiflung" geprägt, was auf eine kriegerische oder apokalyptische Situation hindeutet. Der Verweis auf "Evas Schatten" und "rotes Geld" könnte auf die Erbsünde und die Gier als treibende Kräfte hinter dem menschlichen Leid anspielen. Die zweite Strophe kontrastiert diese düstere Szene mit einem religiösen Motiv. Das "Gewölk, das Licht durchbricht" könnte als Hoffnungsschimmer oder als Verweis auf das Abendmahl interpretiert werden. Die Erwähnung von "Brot und Wein" und der "zwölf" versammelten Personen lässt an Jesus und seine Jünger denken. Doch selbst in diesem heiligen Kontext bleibt die Nacht präsent, und die Menschen "schrein im Schlaf" unter den "Ölbaumzweigen", was auf anhaltende Ängste und Qualen hindeutet. Die letzte Zeile mit der Erwähnung von "Sankt Thomas" und seiner Berührung der Wunde Christi könnte als Symbol für den Zweifel und die Suche nach Gewissheit in einer unsicheren Welt verstanden werden. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine ambivalente Sicht auf die Menschheit, die zwischen Dunkelheit und Licht, Verzweiflung und Hoffnung, Zweifel und Glauben oszilliert.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen
Metapher
Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal
Personifikation
Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen
Symbolik
Evas Schatten, Jagd und rotes Geld