Menschen bei Nacht
19261899, Berlin-Schmargendorf
Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht. Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht, und du sollst ihn nicht suchen trotzdem. Und machst du nachts deine Stube licht, um Menschen zu schauen ins Angesicht, so musst du bedenken: wem.
Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt, das von ihren Gesichtern träuft, und haben sie nachts sich zusammengesellt, so schaust du eine wankende Welt durcheinandergehäuft. Auf ihren Stirnen hat gelber Schein alle Gedanken verdrängt, in ihren Blicken flackert der Wein, an ihren Händen hängt die schwere Gebärde, mit der sie sich bei ihren Gesprächen verstehn; und dabei sagen sie: Ich und Ich und meinen: Irgendwen.
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Interpretation
Das Gedicht "Menschen bei Nacht" von Rainer Maria Rilke handelt von der Einsamkeit und der Entfremdung der Menschen in der Nacht. Es zeigt, dass die Nacht nicht für die Masse gemacht ist und dass man seinen Nachbarn nicht suchen soll, obwohl man ihn nicht sieht. Wenn man jedoch nachts das Licht einschaltet, um die Gesichter der Menschen zu betrachten, muss man vorsichtig sein, wem man begegnet. Das Gedicht beschreibt, wie das Licht die Menschen entstellt und wie sie sich in der Nacht zusammensetzen, um eine wankende Welt zu betrachten. Die Gedanken der Menschen werden durch das gelbe Licht auf ihren Stirnen verdrängt und ihre Blicke flackern wie Wein. Die Hände der Menschen hängen schwer und ihre Gesten vermitteln ihnen ein Verständnis, obwohl sie eigentlich nichts sagen. Sie sagen "Ich und Ich" und meinen damit "Irgendwen". Das Gedicht verdeutlicht die Isolation und Entfremdung der Menschen in der Nacht. Es zeigt, wie das Licht die Gesichter der Menschen entstellt und wie sie sich in der Nacht zusammensetzen, um eine wankende Welt zu betrachten. Die Menschen sind nicht in der Lage, sich wirklich zu verstehen, obwohl sie sich gegenseitig ansehen und Gesten machen. Das Gedicht verdeutlicht, wie die Nacht die Menschen isoliert und wie sie sich in der Dunkelheit verlieren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Und dabei sagen sie: Ich und Ich und meinen: Irgendwen
- Metapher
- an ihren Händen hängt die schwere Gebärde
- Personifikation
- Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.