Memento

Theodor Fontane

1898

Geliebte, willst Du doppelt leben, So sei des Todes gern gedenk, Und nimm, was Dir die Götter geben, Tagtäglich hin wie ein Geschenk.

Mach Dich vertraut mit dem Gedanken, Daß doch das Letzte kommen muß, Und statt in Trübsinn hin zu kranken, Wird Dir das Dasein zum Genuß.

Du magst nicht länger mehr vergeuden Die Spanne Zeit in eitlem Haß, Du freust Dich reiner Deiner Freuden Und sorgst nicht mehr um dies und das.

Du setzest an die rechte Stelle Das Hohe, Göttliche der Zeit, Und jede Stunde wird Dir Quelle Gesteigert neuer Dankbarkeit.

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Interpretation

Das Gedicht "Memento" von Theodor Fontane thematisiert die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit des Lebens und die daraus resultierende Wertschätzung für jeden Moment. Der Titel "Memento" leitet sich vom lateinischen "Memento mori" ab, was so viel bedeutet wie "Gedenke, dass du sterben musst". Dieses Konzept ist ein zentrales Motiv des Gedichts, das den Leser dazu auffordert, sich bewusst mit dem Tod auseinanderzusetzen, um das Leben intensiver zu erleben. In den ersten beiden Strophen wird die Idee vermittelt, dass die bewusste Auseinandersetzung mit dem Tod zu einem erfüllteren Leben führen kann. Der Sprecher rät der Geliebten, sich des Todes "gern" zu erinnern und jeden Tag als Geschenk zu betrachten. Diese Perspektive soll dazu führen, dass man das Leben nicht mehr als selbstverständlich ansieht, sondern jeden Moment bewusst genießt. Der Gedanke an das "Letzte", also den Tod, soll nicht in Trübsinn umschlagen, sondern vielmehr dazu dienen, das Dasein in vollen Zügen zu genießen. Die dritte und vierte Strophe beschreiben die positiven Auswirkungen dieser Denkweise auf das tägliche Leben. Der Sprecher betont, dass man aufhört, die Zeit mit "eitlem Haß" zu vergeuden und stattdessen reiner an seinen Freuden Freude hat. Diese Haltung führt zu einer Neubewertung der Prioritäten im Leben. Das "Hohe, Göttliche der Zeit" wird an die richtige Stelle gesetzt, was bedeutet, dass man die Zeit als kostbar und begrenzt erkennt. Jede Stunde wird so zu einer Quelle gesteigerter Dankbarkeit, was eine tiefe Wertschätzung für das Leben und seine vergänglichen Momente zum Ausdruck bringt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Tagtäglich hin wie ein Geschenk
Hyperbel
Du magst nicht länger mehr vergeuden
Metapher
Das Hohe, Göttliche der Zeit
Parallelismus
Du freust Dich reiner Deiner Freuden / Und sorgst nicht mehr um dies und das
Personifikation
Daß doch das Letzte kommen muß