Memento vivere

Friedrich Hebbel

1863

Ich ritt einmal im Dunkeln Spät durch ein enges Tal; Die Nacht war still und traurig, Ich still und traurig zumal.

Ich dachte der wenigen Freunde, Die ich auf Erden fand, Ich dachte derer vor allen, Die schon bedeckt der Sand.

Da scholl′s, wie Geisterstimme, Vom düstern Berg herab: Mensch, freu′ dich heut des Lebens, Denn morgen geht′s ins Grab.

War es ein Hirtenknabe, Der jene Worte sang - Ich weiß es nicht, sie gingen Mir durch die Seele bang.

Einst hatt′ ich sie vernommen Aus eines Bruders Mund, Da trank er meine Gesundheit, Jetzt lag er im kühlen Grund.

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Illustration zu Memento vivere

Interpretation

Das Gedicht "Memento vivere" von Friedrich Hebbel erzählt von einer nächtlichen Reise durch ein enges Tal, bei der der Sprecher von melancholischen Gedanken an Freunde und Verstorbene geplagt wird. Die Stimmung ist düster und traurig, sowohl die Umgebung als auch der Sprecher selbst sind von Schwermut erfüllt. Die Nacht und das Tal symbolisieren die Dunkelheit und Enge der menschlichen Existenz. Plötzlich ertönt eine Stimme vom Berg herab, die den Sprecher ermahnt, das Leben zu genießen, solange es noch dauert. Diese Stimme könnte als eine Art Orakel oder als Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens interpretiert werden. Der Sprecher ist unsicher, ob es sich um einen Hirtenknaben oder eine übernatürliche Erscheinung handelt, aber die Worte dringen tief in seine Seele ein. Die letzte Strophe enthüllt, dass der Sprecher diese Worte bereits einmal zuvor gehört hat, als sein Bruder auf ihn anstieß. Nun liegt der Bruder bereits im Grab, was die Vergänglichkeit des Lebens und die Unausweichlichkeit des Todes unterstreicht. Das Gedicht endet mit einer düsteren Erinnerung daran, dass das Leben vergänglich ist und der Tod unausweichlich kommt.

Schlüsselwörter

still traurig dachte ritt einmal dunkeln spät enges

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Stilmittel

Alliteration
Spät durch ein enges Tal
Anapher
Ich dachte der wenigen Freunde / Die ich auf Erden fand / Ich dachte derer vor allen
Enjambement
War es ein Hirtenknabe, / Der jene Worte sang
Metapher
Die Nacht war still und traurig
Metonymie
Mensch, freu' dich heut des Lebens, / Denn morgen geht's ins Grab
Personifikation
Die Nacht war still und traurig
Rückbezug
Einst hatt' ich sie vernommen / Aus eines Bruders Mund