Melusine

Georg Trakl

1887

Wovon bin ich nur aufgewacht? Mein Kind, es fielen Blüten zur Nacht!

Wer flüstert so traurig, als wie im Traum? Mein Kind, der Frühling geht durch den Raum.

o sieh! Sein Gesicht wie tränenbleich! Mein Kind, er blühte wohl allzu reich.

Wie brennt mein Mund! Warum weine ich? Mein Kind, ich küsse mein Leben in dich!

Wer fasst mich so hart, wer beugt sich zu mir? Mein Kind, ich falte die Hände dir.

Wo geh′ ich nur hin? Ich träumte so schön! Mein Kind, wir wollen in den Himmel gehn.

Wie gut, wie gut! Wer lächelt so leis′? Da wurden ihre Augen weiß -

Da löschten alle Lichter aus Und tiefe Nacht durchwehte das Haus.

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Illustration zu Melusine

Interpretation

Das Gedicht "Melusine" von Georg Trakl ist eine lyrische Darstellung eines mystischen und traumhaften Erlebnisses, das von der Figur Melusine erzählt wird. Die Sprache ist voller symbolischer Bilder und Metaphern, die eine Atmosphäre von Sehnsucht, Verlust und Verwandlung schaffen. Melusine scheint zwischen den Welten des Wachens und Träumens zu schweben, wobei die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwimmen. Die wiederholte Anrede "Mein Kind" deutet auf eine tiefe emotionale Bindung hin, möglicherweise zwischen einer Mutter und ihrem Kind oder einer schützenden Figur und einer geliebten Person. Die Bilder von Blüten, Frühling und Himmel vermitteln eine Sehnsucht nach Schönheit, Erneuerung und Transzendenz. Gleichzeitig wird eine Stimmung der Traurigkeit und des Abschieds evoziert, insbesondere durch die Erwähnung von Tränen, dem Erlöschen der Lichter und der tiefen Nacht. Das Gedicht kulminiert in einem Moment des Übergangs und der Transformation, symbolisiert durch das Weißwerden der Augen und das Erlöschen der Lichter. Dies könnte den Übergang in eine andere Existenzform oder den Tod selbst darstellen. Die tiefe Nacht, die das Haus durchweht, könnte als Metapher für das Unbekannte oder das Jenseits dienen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefgründige Meditation über Leben, Tod und die ewige Suche nach Bedeutung und Verbindung.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
tiefe Nacht durchwehte das Haus
Hyperbel
er blühte wohl allzu reich
Kontrast
Wie gut, wie gut! Wer lächelt so leis′? Da wurden ihre Augen weiß
Metapher
Sein Gesicht wie tränenbleich
Symbolik
Blüten zur Nacht