Melancholie
1892Unser roter Traum zerrinnt Wie im Sommer der Wind.
Wie müssen immer gehen Auf leisen weißen Zehen.
Das ist kein Sturm, nur Not, Zerdrückt uns das Gebot.
Unser roter Traum zerrinnt. Ein grauer Nebel spinnt
Uns ein, bis wir blind Und gestorben sind.
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Interpretation
Das Gedicht "Melancholie" von Friedrich Wilhelm Wagner thematisiert die Vergänglichkeit von Träumen und Hoffnungen. Der Titel deutet bereits auf eine melancholische Stimmung hin, die sich durch das gesamte Gedicht zieht. Die Metapher des "roten Traums", der zerrinnt, symbolisiert die Zerstörung von Leidenschaft und Sehnsucht. Der Vergleich mit dem Sommerwind verstärkt das Gefühl von Vergänglichkeit und Vergessenheit. Der zweite Versabschnitt beschreibt eine Art Flucht oder Flüchten vor der Realität. Die Menschen gehen auf "leisen weißen Zehen", was auf eine heimliche oder ängstliche Bewegung hindeutet. Der Hinweis, dass es "kein Sturm, nur Not" ist, verdeutlicht, dass die Situation nicht dramatisch, sondern eher bedrückend und erdrückend ist. Das "Gebot" könnte als gesellschaftliche oder moralische Norm interpretiert werden, die die Menschen einengt und ihnen ihre Träume raubt. Im letzten Versabschnitt wird der Verlust der Träume endgültig besiegelt. Der "graue Nebel" symbolisiert die Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit, die die Menschen umgibt. Sie werden "blind" und "gestorben", was metaphorisch für den Verlust der Lebensfreude und des Lebenssinns stehen könnte. Das Gedicht endet mit einem pessimistischen Ausblick, der die menschliche Existenz als sinnlos und von Trauer geprägt darstellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Ein grauer Nebel spinnt Uns ein, bis wir blind Und gestorben sind
- Personifikation
- Wie müssen immer gehen Auf leisen weißen Zehen
- Vergleich
- Wie im Sommer der Wind