Melancholie des Abends

Georg Trakl

1887

- Der Wald, der sich verstorben breitet - Und Schatten sind um ihn, wie Hecken. Das Wild kommt zitternd aus Verstecken, Indes ein Bach ganz leise gleitet

Und Farnen folgt aus alten Steinen Und silbern glänzt aus Laubgewinden. Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden - Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.

Der dunkle Plan scheint ohne Maßen, Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher, Und etwas täuscht dir vor ein Feuer. Ein kalter Glanz huscht über Straßen.

Am Himmel ahnet man Bewegung, Ein Heer von wilden Vögeln wandern Nach jenen Ländern, schönen, andern. Es steigt und sinkt des Rohres Regung.

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Illustration zu Melancholie des Abends

Interpretation

Das Gedicht *Melancholie des Abends* von Georg Trakl zeichnet ein düsteres und zugleich mystisches Bild des Übergangs vom Tag zur Nacht. Der Wald erscheint als ein Ort des Todes und der Stille, in dem Schatten wie Hecken die Umgebung umgeben. Die Natur wird als zitternd und verletzlich dargestellt, während ein leiser Bach durch das verlassene Land fließt. Die Stimmung ist von einer tiefen Melancholie geprägt, die durch die Bilder von Farnen, Steinen und dem glänzenden Bach verstärkt wird. Die zweite Strophe vertieft die Atmosphäre der Einsamkeit und des Unheimlichen. Der dunkle Plan erstreckt sich ohne Grenzen, übersät mit verstreuten Dörfern, Sümpfen und Teichen. Ein täuschendes Feuer oder ein kalter Glanz über den Straßen deutet auf eine unheimliche Präsenz hin, die die Szenerie durchdringt. Die Natur scheint in einem Zustand der Verlassenheit und des Verfalls zu sein, was die melancholische Stimmung noch verstärkt. In der letzten Strophe wird die Bewegung am Himmel eingeführt, die einen Kontrast zur statischen und düsteren Landschaft bildet. Ein Heer wilder Vögel zieht in ferne, schöne Länder, was einen Hauch von Hoffnung oder Flucht aus der Tristesse vermittelt. Doch selbst diese Bewegung ist von einer gewissen Unsicherheit geprägt, da die Regung des Rohrs auf und ab steigt, was die Unbeständigkeit und Vergänglichkeit des Moments unterstreicht. Das Gedicht endet in einer Stimmung, die zwischen Verzweiflung und einer leisen Ahnung von Veränderung oszilliert.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Titel: Melancholie des Abends
Bildsprache
Das Wild kommt zitternd aus Verstecken
Hyperbel
Der dunkle Plan scheint ohne Maßen
Metapher
Der Wald, der sich verstorben breitet
Onomatopoesie
Und Farnen folgt aus alten Steinen
Personifikation
Es steigt und sinkt des Rohres Regung
Symbolik
Ein kalter Glanz huscht über Straßen
Vergleich
Und Schatten sind um ihn, wie Hecken