Melancholie
1910Ein nacktes Jungfräulein hängt An einem Galgen: das Blut, das von Mund und Nase Und sonst herunter geflossen, bildet im Rasen Eine rote Lache, die mählich schwarz gerinnt So wie das Blut der lehmigen Pfützen umher Mit der sterbenden Abendröte vergeht. Sie sind: die Pfützen, die Augen der Dämmerung. Doch gegen das weiße ungeküsste Knie des Weibes Fliegt ein Rabe: Wie unmelodisch Ein Rabenflügel sich gegen den Rasen zeichnet Ehe die Dämmerung ganz herein ist.
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Interpretation
Das Gedicht "Melancholie" von Otfried Krzyzanowski beschreibt eine düstere und verstörende Szene. Ein nacktes jungfräuliches Mädchen hängt am Galgen, und ihr Blut bildet eine rote Lache auf dem Rasen, die langsam schwarz gerinnt. Die poetische Sprache und die bildhafte Darstellung erzeugen eine Atmosphäre des Grauens und der Melancholie. Der zweite Teil des Gedichts lenkt den Blick auf die Umgebung. Die lehmigen Pfützen, in denen das Blut der untergehenden Abendröte vergeht, werden als "Augen der Dämmerung" bezeichnet. Dies verstärkt die düstere Stimmung und deutet auf den Übergang von Tag zu Nacht hin, was oft mit dem Ende oder dem Tod assoziiert wird. Im letzten Teil des Gedichts wird ein Rabe eingeführt, der gegen das weiße, ungeküsste Knie des Mädchens fliegt. Die unmelodische Zeichnung des Rabenflügels auf dem Rasen vor dem Einbruch der Dunkelheit verstärkt die unheimliche Atmosphäre. Der Rabe könnte als Symbol für den Tod oder das Böse interpretiert werden, das sich dem Opfer nähert. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl von Traurigkeit, Verlust und dem unausweichlichen Ende des Lebens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Rabenflügel sich gegen den Rasen zeichnet
- Bildsprache
- Die rote Lache, die schwarz gerinnt
- Kontrast
- Das weiße ungeküsste Knie des Weibes gegen den Rabenflügel
- Metapher
- Die Pfützen sind die Augen der Dämmerung
- Symbolik
- Der Rabe als Symbol für Tod und Melancholie