Meiner Tochter Christine ins Gebetbuch
1835Das Mägdlein tritt im weißen Feierkleid Zum erstenmal vor Gott an den Altar, Und auch der Greisin hält man es bereit, Die niedersinkt an ihrer Totenbahr′
Doch ich, du teures Kind, ich wünsche dir, Daß, wie am ersten und am letzten Tag, Dir dies Gewand, der Unschuld ew′ge Zier, An jedem andern auch geziemen mag.
Dir schmückt die junge Brust ein Myrtenzweig, Und eine Rosenknospe glänzt dabei: O, werde du der frommen Myrte gleich, Damit dein Schicksal das der Rose sei!
Sie trägt nicht immerdar das freud′ge Rot, Wenn sie sich löst aus ihrer Knospe Grün, Doch, ob sie auch so bleich ist, wie der Tod, Ihr Kelch bewahrt ein letztes stilles Glühn.
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Interpretation
Das Gedicht "Meiner Tochter Christine ins Gebetbuch" von Friedrich Hebbel ist eine tiefgründige Betrachtung über Unschuld, Reinheit und die Vergänglichkeit des Lebens. Es verwendet das Bild eines weißen Feierkleids, das sowohl bei der ersten als auch bei der letzten Begegnung mit Gott getragen wird, als Symbol für die ewige Unschuld. Der Dichter wünscht seiner Tochter, dass diese Unschuld sie durch alle Lebensphasen begleitet und sie immer würdig ist, vor Gott zu treten. Die Myrte und die Rose dienen als Metaphern für die Tugenden und das Schicksal des Mädchens. Die Myrte, ein Symbol für Treue und Beständigkeit, soll das Verhalten des Mädchens prägen, während die Rose, die für Schönheit und Vergänglichkeit steht, ihr Schicksal widerspiegelt. Die Rose verblasst zwar, behält aber bis zum Ende ein "letztes stilles Glühn", was auf die beständige innere Schönheit und Reinheit auch im Angesicht des Todes hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes. Es betont die Bedeutung von Unschuld und Reinheit im Leben und den Trost, den diese Eigenschaften auch im Angesicht des Todes bieten können. Die Elternliebe und der Wunsch des Vaters, dass seine Tochter diese Tugenden bewahrt, durchziehen das gesamte Gedicht und verleihen ihm eine tiefe emotionale Dimension.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- freud'ge Rot
- Bildsprache
- Die niedersinkt an ihrer Totenbahr'
- Kontrast
- O, werde du der frommen Myrte gleich, Damit dein Schicksal das der Rose sei!
- Metapher
- Das Mägdlein tritt im weißen Feierkleid
- Personifikation
- Ihr Kelch bewahrt ein letztes stilles Glühn
- Symbolik
- Myrtenzweig und Rosenknospe