Welch‘ Drang, welch Beben
Durchgraut, durchzittert
Wie wonniger Glücksahnung
Jähe Gewißheit
Die qualmüden Sinne!
Wie schrecklich-schön
Blüht entgegen mir
In flammenden Reizen
Deine süße Gestalt!
Wie durchschau’rt mein Herz,
Das liebeschmachtende,
Deines schimmernden Gluthauges
Seligjubelnde Märchensprache!
Ach, du bist meiner Sehnsucht Ziel…
Jauchzend grüß‘ ich dich:
Meiner Seele: Seele!
Du bist’s, die ich suchte
In dunklen Mitternächten,
Da ich rang und rang
In stummer Verzweiflung
Und kein Stern mir winkte
Vom grausamen Himmel…
Du bist’s, die ich suchte,
Wenn ich einsam trank
Des Frühlings frische
Quellende Gluth
Die in alle Poren mir drang,
Den süßen Duft
Der über den Auen schwamm
Und den Busen mir schwellte
In heiliger Sehnsucht…
Du bist’s, in dir wurzelt
Mit allen Fasern
Mein ganzes Sein,
Jede Knospe der Hoffnung,
All‘ Frieden und Glück.
Gebannt in deiner Schönheit
Magischen Lichtkreis
Lass‘ mich träumend vergessen,
Lass‘ Leben mich saugen
Von deinen Lippen,
Im Schooße dir rasten:
In holder Umarmung
Schöpf‘ ich Erquickung
Wie der Baum aus der Erde…
Meiner Seele Seele
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Meiner Seele Seele“ von Wilhelm Arent ist eine Hymne auf die Liebe, die als Erfüllung der tiefsten Sehnsüchte und als Quelle unendlichen Glücks gefeiert wird. Es ist ein Ausdruck intensiver Emotionen, in dem der Sprecher seine Liebe zu einer geliebten Person, die als „Seele der Seele“ bezeichnet wird, feiert. Das Gedicht beginnt mit einem Ausbruch von Gefühlen, einem „Drang“ und „Beben“, das die körperliche und seelische Ergriffenheit des Sprechers widerspiegelt.
Die Struktur des Gedichts ist durch einen Wechsel von intensiven, fast ekstatisierenden Beschreibungen der geliebten Person und der eigenen Emotionen gekennzeichnet. Die „Gestalt“ der Geliebten wird in „flammenden Reizen“ beschrieben, was auf eine leidenschaftliche Anziehung hindeutet. Das Herz des Sprechers, „liebeschmachtend“, wird von der „Märchensprache“ der Augen der Geliebten durchdrungen. Der Sprecher findet in der Geliebten das Ziel seiner Sehnsucht und begrüßt sie jubelnd. Der Text enthüllt die Suche nach der Geliebten, sowohl in den dunkelsten Momenten der Verzweiflung, als auch in den freudigen Momenten des Frühlings.
Die Verwendung von Bildern der Natur, wie „Quellende Gluth“ des Frühlings, „Duft, der über den Auen schwamm“, und der Vergleich des Sprechers mit einem Baum, der aus der Erde Nährstoffe zieht, verstärkt die Idee der Verbundenheit und des Wachstums in der Liebe. Die geliebte Person wird zur Wurzel des Seins des Sprechers, zur Quelle der Hoffnung, des Friedens und des Glücks. Das Gedicht gipfelt in dem Wunsch nach Verschmelzung und Ruhe in der Umarmung der Geliebten.
Die Sprache des Gedichts ist durch eine Mischung aus hochgestimmten, fast religiösen Bildern und einer einfachen, emotionalen Ausdrucksweise geprägt. Die Verwendung von Ausrufen wie „Ach“ und die Wiederholung von „Du bist’s“ unterstreichen die Leidenschaft und die unbedingte Verehrung. Die Verwendung von Substantiven wie „Seele“ und „Sehnsucht“ verleiht dem Gedicht eine tiefgründige, spirituelle Ebene, die die Liebe als eine Erfahrung von existenzieller Bedeutung darstellt. Insgesamt ist es ein Gedicht, das die transformative Kraft der Liebe feiert und ihre Fähigkeit, Dunkelheit in Licht und Verzweiflung in Glück zu verwandeln.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.
