Meiner Liebsten

Max von Schenkendorf

1837

Zum 15. December 1815.

Nie soll mich die Wahl gereuen, Und ich sage feierlich, Könnt′ ich auch noch zehnmal freien, Zehnmal frei′t ich, Liebste, dich!

Führt mich abwärts auch die Straße, Stundenweit und meilenweit, Kenn′ ich dennoch keine Maße Für die Treu′ und Zärtlichkeit.

Muß ich wieder einsam feiern Unser schönes Hochzeitfest, Will ich doch den Bund erneuern, Der sich nicht zerreißen läßt.

Laß uns wie zwei Bund′sgenossen Unsre Pilgerpfade gehn, Unsre Ehe ward geschlossen Wo vor Gott die Engel stehn.

Reich an Gnaden, arm an Ehren, Sonder Anfang, sonder End′, In die Ewigkeit soll währen Dies hochwürd′ge Sakrament!

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Illustration zu Meiner Liebsten

Interpretation

Das Gedicht "Meiner Liebsten" von Max von Schenkendorf ist ein tief empfundenes Liebesgedicht, das am 15. Dezember 1815 entstand. Es ist eine poetische Erklärung der ewigen Liebe und Treue des lyrischen Ichs zu seiner Liebsten. Der Autor betont die unwandelbare Natur seiner Gefühle, selbst wenn er zehnmal die Wahl hätte, würde er immer wieder dieselbe Person wählen. Dies unterstreicht die Tiefe und Beständigkeit seiner Liebe. In den folgenden Strophen beschreibt Schenkendorf die Reise des Lebens, die das Paar gemeinsam meistert. Auch wenn der Weg steinig und weit sein mag, bleibt die Treue und Zärtlichkeit unerschütterlich. Die Einsamkeit anlässlich des Hochzeitstags wird durch die Erneuerung des unauflöslichen Bundes überwunden. Das Paar wird als "Bund'sgenossen" dargestellt, die gemeinsam ihre Pilgerpfade gehen, was die gemeinsame spirituelle und emotionale Reise symbolisiert. Das Gedicht schließt mit einer Betonung der göttlichen Natur der Ehe. Die Ehe wird als "hochwürd'ges Sakrament" bezeichnet, das in der Ewigkeit Bestand haben soll. Dies unterstreicht die religiöse und sakrale Dimension der Beziehung, die über das irdische Leben hinausreicht. Die Liebe wird als reich an Gnaden und arm an Ehren beschrieben, was ihre Reinheit und Selbstlosigkeit hervorhebt.

Schlüsselwörter

soll zehnmal bund unsre sonder december nie wahl

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Und ich sage feierlich, / Könnt ich auch noch zehnmal freien, / Zehnmal frei't ich, Liebste, dich!
Antithese
Reich an Gnaden, arm an Ehren
Bildlichkeit
Wo vor Gott die Engel stehn
Chiasmus
Sonder Anfang, sonder End'
Gleichnis
Laß uns wie zwei Bund'sgenossen / Unsre Pilgerpfade gehn
Hyperbel
Könnt ich auch noch zehnmal freien, / Zehnmal frei't ich, Liebste, dich!
Metapher
Führt mich abwärts auch die Straße
Personifikation
Der sich nicht zerreißen läßt