Meiner Frau

Ernst Wilhelm Lotz

1912

In deinem Zimmer fand ich meine Stätte. In deinem Zimmer weiß ich, wer ich bin. Ich liege tagelang in deinem Bette Und schmiege meinen Körper an dich hin.

Ich fühle Tage wechseln und Kalender Am Laken, das uns frisch bereitet liegt. Ich staune manchmal still am Bettgeländer, Wie himmlisch lachend man die Zeit besiegt.

Bisweilen steigt aus fernen Straßen unten Ein Ton zu unserm Federwolkenraum, Den schlingen wir verschlafen in die bunten Gobelins, gewirkt aus Küssen, Liebe, Traum.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Meiner Frau

Interpretation

Das Gedicht "Meiner Frau" von Ernst Wilhelm Lotz beschreibt die tiefe Verbundenheit und Geborgenheit, die der Sprecher in der Anwesenheit seiner Frau empfindet. Das Zimmer der Frau wird als Zufluchtsort und Ort der Selbstfindung dargestellt, an dem der Sprecher seine Identität wiedererkennt. Die körperliche Nähe im gemeinsamen Bett symbolisiert die intime und harmonische Beziehung zwischen den beiden. Die Zeit wird im Gedicht als etwas Positives und fast Überwindbares dargestellt. Der Sprecher beobachtet den Wechsel der Tage und Kalender mit einer Art Staunen und Faszination, als ob die Zeit in diesem Raum eine andere, angenehmere Qualität annimmt. Die Erwähnung des "himmlisch lachend" Besiegens der Zeit deutet auf eine Art zeitlose Glückseligkeit hin, die in der Beziehung erlebt wird. Die Außenwelt dringt nur in Form eines fernen Tons aus der Straße in diesen geschützten Raum ein. Dieser Ton wird jedoch nicht als Störung empfunden, sondern wird vielmehr in die "Federwolkenraum" Atmosphäre integriert. Die Metapher der Gobelins, gewirkt aus Küssen, Liebe und Traum, verdeutlicht die Vorstellung, dass die Beziehung und die gemeinsamen Erlebnisse ein kunstvolles, buntes Gewebe des Lebens schaffen. Das Gedicht vermittelt somit ein Bild von tiefer Liebe, Geborgenheit und der Schaffung einer eigenen, intimen Welt innerhalb der Partnerschaft.

Schlüsselwörter

zimmer fand stätte weiß liege tagelang bette schmiege

Wortwolke

Wortwolke zu Meiner Frau

Stilmittel

Bildsprache
[Ich liege tagelang in deinem Bette Und schmiege meinen Körper an dich hin Am Laken, das uns frisch bereitet liegt Bisweilen steigt aus fernen Straßen unten Ein Ton zu unserm Federwolkenraum]
Metapher
[In deinem Zimmer fand ich meine Stätte Federwolkenraum Gobelins, gewirkt aus Küssen, Liebe, Traum]
Personifikation
[Ich fühle Tage wechseln und Kalender Wie himmlisch lachend man die Zeit besiegt]