Meine Ruh' ist hin

Johann Wolfgang von Goethe

1749

aus Faust I

Meine Ruh’ ist hin, Mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer und nimmermehr.

Wo ich ihn nicht hab’, Ist mir das Grab, Die ganze Welt Ist mir vergällt.

Mein armer Kopf Ist mir verrückt, Meiner armer Sinn Ist mir zerstückt.

Meine Ruh’ ist hin, Mein Herz ist schwer, Ich finde sie nimmer und nimmermehr.

Nach ihm nur schau’ ich Zum Fenster hinaus, Nach ihm nur geh ich Aus dem Haus.

Sein hoher Gang, Sein edle Gestalt, Seines Mundes Lächeln, Seiner Augen Gewalt,

Und seiner Rede Zauberfluß, Sein Händedruck, Und ach! sein Kuß!

Meine Ruh’ ist hin, Mein Herz ist schwer, Ich finde sie nimmer und nimmermehr.

Mein Busen drängt Sich nach ihm hin, Ach dürft’ ich fassen Und halten ihn,

Und küssen ihn, So wie ich wollt’, An seinen Küssen Vergehen sollt'!

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Illustration zu Meine Ruh' ist hin

Interpretation

Das Gedicht "Meine Ruh' ist hin" von Johann Wolfgang von Goethe ist ein Auszug aus dem Drama "Faust I" und stellt einen Monolog der Figur Gretchen dar. In diesem Gedicht drückt Gretchen ihre tiefe Verzweiflung und Sehnsucht nach ihrem Geliebten Faust aus. Die Wiederholung der Zeilen "Meine Ruh' ist hin, Mein Herz ist schwer" unterstreicht ihre emotionale Zerrüttung und die Intensität ihrer Gefühle. Gretchen beschreibt, wie ihr Leben ohne Faust leer und sinnlos erscheint. Sie fühlt sich körperlich und geistig krank, wie in den Zeilen "Mein armer Kopf Ist mir verrückt, Meiner armer Sinn Ist mir zerstückt" zum Ausdruck kommt. Die Welt um sie herum erscheint ihr "vergällt", was ihre tiefe Melancholie und Isolation verdeutlicht. Ihre Gedanken kreisen unentwegt um Faust, wie ihre ständige Beobachtung nach ihm aus dem Fenster und ihre Schritte aus dem Haus zeigen. Die detaillierte Beschreibung von Fausts äußeren Merkmalen und Gesten, wie sein "hoher Gang", seine "edle Gestalt" und besonders "sein Kuß", verdeutlichen Gretchens starke körperliche und emotionale Anziehung zu ihm. Das Gedicht endet mit einem leidenschaftlichen Wunsch, Faust zu umarmen und zu küssen, bis sie in seinen Küssen vergehen würde. Dies zeigt die Intensität ihrer Liebe und die Bereitschaft, sich ganz in der Liebe aufzugeben. Insgesamt ist das Gedicht ein eindringliches Porträt der Verzweiflung und Leidenschaft einer jungen Frau, die tief in die Liebe verstrickt ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Sein hoher Gang, Seiner Augen Gewalt
Anapher
Meine Ruh' ist hin, Mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer und nimmermehr.
Hyperbel
Wo ich ihn nicht hab', Ist mir das Grab, Die ganze Welt Ist mir vergällt.
Metapher
Mein armer Kopf Ist mir verrückt, Meiner armer Sinn Ist mir zerstückt.
Personifikation
Seiner Augen Gewalt