Meine Nächte sind heiser zerschrien...
1917Meine Nächte sind heiser zerschrien. Eine Wunde, die riß. Ein Mund zerschneidet gläsernes Weh. Zum Fenster flackerte ein Schrei herein voll Sommer, Laub und Herz. Ein Weinen kam. Und starke Adern drohten. Ein Gram schwebt immer über unsern Nächten. Wir zerren an den Decken und rufen Schlaf. Ein Strom von Blut wellt auf. Und spült uns hoch, wenn spät der Morgen grünt.
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Interpretation
Das Gedicht "Meine Nächte sind heiser zerschrien" von Ernst Wilhelm Lotz beschreibt eine Nacht voller emotionaler Qualen und körperlicher Erschöpfung. Die Nacht wird als eine Zeit der Verzweiflung und des Schmerzes dargestellt, in der der Sprecher von einer tiefen Wunde geplagt wird, die ihn zerreißt. Der Mund, der "gläsernes Weh" zerschneidet, symbolisiert die Unfähigkeit, den Schmerz auszudrücken oder zu lindern. Der Schrei, der durch das Fenster hereinflackert, bringt eine Mischung aus Sommer, Laub und Herz, was auf eine Sehnsucht nach Leben und Liebe hindeutet, die jedoch von der Trauer überlagert wird. In der zweiten Hälfte des Gedichts wird die Intensität der emotionalen Belastung noch deutlicher. Ein Weinen kommt auf, und starke Adern drohen zu platzen, was auf den körperlichen Ausdruck der inneren Qualen hindeutet. Ein Gram schwebt über den Nächten, eine ständige Präsenz, die den Sprecher und seinen Partner bedrückt. Sie zerren an den Decken und rufen nach Schlaf, aber der Schlaf bleibt ihnen verwehrt. Ein Strom von Blut wellt auf und spült sie hoch, wenn der Morgen spät grünt, was darauf hindeutet, dass sie am Morgen erschöpft und aufgewühlt aufwachen, ohne die ersehnte Ruhe gefunden zu haben. Das Gedicht vermittelt ein tiefes Gefühl der Verzweiflung und des Schmerzes, das den Sprecher und seinen Partner in der Nacht heimsucht. Die Bilder von Wunden, Schreien und Blutströmungen symbolisieren die Intensität der emotionalen Qualen, die sie erleben. Die Sehnsucht nach Schlaf und Erholung bleibt unerfüllt, und der Morgen bringt keine Erleichterung, sondern nur eine Fortsetzung des Leidens. Das Gedicht ist ein eindringliches Porträt der menschlichen Erfahrung von Schmerz und Verzweiflung, die selbst die Nacht, die normalerweise eine Zeit der Ruhe und Erholung ist, in eine Zeit der Qual verwandeln können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- voll Sommer, Laub und Herz
- Metapher
- Und spült uns hoch, wenn spät der Morgen grünt
- Personifikation
- Zum Fenster flackerte ein Schrei herein