Meine Lieder

Louise Otto-Peters

1819

Als Kind schon nahm die Leier ich zu Handen - Denn früh verlernte ich der Kindheit Spiele; Ich träumte nur in stillen Dichterlanden Entrückt der Schwestern lärmenden Gewühle. Ob auch mein Lied verstimmt und schrill geklungen Gleich einer Glocke, die entzwei gesprungen, Dumpfdröhnend nur und unharmonisch läutet: Ich wußt es doch was Dichterlust bedeutet!

Ich sang von Schmetterlingen und von Sternen, Sang meinen Teuern, die im Jenseit wallen, Ich sang von Gott und heiligen Himmelsfernen, Bald auch von Rosen und von Nachtigallen, Von Nachtigallen, denn im Liebeshaine Fühlt ich der Liebe Wonne als die meine - Fühlt ich ein neues Wesen mich geworden - Da - ha! ein Schlag - ich stand an Grabespforten.

Sie gähnten weit und schlossen dann sich wieder - Ich blieb zurück auf thränenfeuchter Erde, Um mich verdorrte Kränze, Klagelieder, In mir ein Feuer, das am Herzen zehrte! - Was sing ich nun? - soll ich in eitlen Klagen, Der kalten Welt von heißen Schmerzen sagen? Soll ich um Mitleid singend betteln gehen? Soll feig den Tod ich um Erlösung flehen? -

O Eines, Eines hab ich mir gerettet, Es ist der Stolz, der mit dem Schicksal ringet, Der sich wohl auch auf einem Grabe bettet, Und doch im Leide festen Mut erzwinget. O der weiß nichts von starren Ohnmachtskrämpfen Er wagts noch um das höchste Gut zu kämpfen Auf denn zum Lied! als Schwert solls Euch begegnen Es ist gefeit zum Rächen und zum Segnen.

Das Lied der Freiheit ist mir noch geblieben - Ich will es kühn vor ihren Feinden singen; Es soll mit Jubeln und mit heilgen Lieben Zu ihnen und des Volkes Freunden dringen. Sie können höhnen mich und schweigen heißen, Die Lieb zur Freiheit nimmer mir entreißen. In solchem Kampfe fühl ich mich gefunden: Der Streit der Freiheit heilt der Liebe Wunden.

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Illustration zu Meine Lieder

Interpretation

Das Gedicht "Meine Lieder" von Louise Otto-Peters erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die schon als Kind ihre Leidenschaft für das Dichten entdeckt. Sie träumt in stillen Dichterlanden und singt von verschiedenen Themen wie Schmetterlingen, Sternen, Gott und Liebe. Doch dann trifft sie ein schwerer Schicksalsschlag, der sie an die Grabespforten führt und ihr Herz mit einem Feuer der Trauer erfüllt. Die Autorin ringt mit der Frage, ob sie ihre Schmerzen in eitlen Klagen der kalten Welt mitteilen soll oder ob sie feige den Tod um Erlösung anflehen soll. Doch sie beschließt, ihren Stolz und Mut zu bewahren und für das höchste Gut, die Freiheit, zu kämpfen. Ihr Lied soll wie ein Schwert sein, um zu rächen und zu segnen. Am Ende des Gedichts findet die Autorin ihre Bestimmung im Kampf für die Freiheit. Sie singt mutig gegen ihre Feinde an und lässt sich nicht von ihrem Streben nach Freiheit abbringen. In diesem Kampf fühlt sie sich gefunden und ihre Wunden der Liebe heilen durch den Streit für die Freiheit.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Das Lied der Freiheit
Personifikation
Entrückt der Schwestern lärmenden Gewühle
Symbolik
Ich sang von Schmetterlingen und von Sternen
Vergleich
Gleich einer Glocke, die entzwei gesprungen