Mein!

Wilhelm Müller

1821

Bächlein, laß dein Rauschen sein! Räder, stellt euer Brausen ein! All ihr muntern Waldvögelein, Groß und klein, Endet eure Melodein! Durch den Hain Aus und ein Schalle heut ein Reim allein: Die geliebte Müllerin ist mein! Mein! Frühling, sind das alle deine Blümelein? Sonne, hast du keinen hellern Schein? Ach, so muß ich ganz allein Mit dem seligen Worte mein Unverstanden in der weiten Schöpfung sein!

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Interpretation

Das Gedicht "Mein!" von Wilhelm Müller thematisiert die überwältigende Freude und das Gefühl des Besitzes, das der Sprecher nach dem Gewinn der Liebe der Müllerin empfindet. Der Sprecher fordert die Natur auf, still zu sein, damit er sich ganz auf seinen eigenen Jubel konzentrieren kann. Er möchte die Geräusche des Baches, das Brausen der Räder und das Zwitschern der Vögel unterdrücken, um Platz für einen einzigen Reim zu schaffen, der seine Glückseligkeit verkündet: "Die geliebte Müllerin ist mein!" In den folgenden Zeilen vergleicht der Sprecher seine Freude mit den Schönheiten der Natur, wie den Blumen des Frühlings und dem hellsten Schein der Sonne. Doch selbst diese können seine innere Glückseligkeit nicht übertreffen. Der Sprecher fühlt sich allein in seiner Freude, da niemand anderes die Tiefe seiner Gefühle verstehen kann. Er ist "unverstanden in der weiten Schöpfung", isoliert in seinem Glück. Das Gedicht vermittelt die Intensität der romantischen Liebe und die damit einhergehende Euphorie. Der Sprecher ist so sehr in seinem eigenen Glück gefangen, dass er die Welt um sich herum nicht mehr wahrnimmt. Die Wiederholung des Wortes "Mein!" am Ende jeder Strophe unterstreicht die Besitzergreifung und die überwältigende Freude des Sprechers. Das Gedicht zeigt, wie die Liebe den Blick auf die Welt verändern und eine Person in einen Zustand der Ekstase versetzen kann.

Schlüsselwörter

allein bächlein laß rauschen räder stellt brausen all

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Mein!
Apostrophe
Bächlein, laß dein Rauschen sein! Räder, stellt euer Brausen ein! All ihr muntern Waldvögelein, Groß und klein, Endet eure Melodein!
Interjektion
Mein!
Personifikation
Bächlein, Räder, Waldvögelein, Frühling, Sonne
Rhetorische Frage
Frühling, sind das alle deine Blümelein? Sonne, hast du keinen hellern Schein?