Mein Schlafrock

Franz Carl Spitzweg

1808

Wie arg, daß jetzt mein Schlafrock hin, Zerfetzt und druchgefressen, Kaum siebzehn Jahr ich äleter bin, Seit er mir angemessen.

Von Wolle kaum mehr eine Spur. Durchlöchert schon von Schaben, Ich tröste mich mit solchen nur, Die keinen Schlafrock haben.

Soll ich mir jetzt als Sterbekleid Noch einen neuen schenken? Dann möcht′ ich ihn bequem und weit, Wenn sie ins Grab mich senken.

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Illustration zu Mein Schlafrock

Interpretation

Das Gedicht "Mein Schlafrock" von Franz Carl Spitzweg beschäftigt sich auf humorvolle und zugleich nachdenkliche Weise mit dem Thema Alter und Vergänglichkeit. Der Sprecher beklagt den Zustand seines Schlafrocks, der nach nur 17 Jahren bereits zerfetzt und durchlöchert ist. Dies dient als Metapher für den unaufhaltsamen Lauf der Zeit und die Veränderungen, die das Alter mit sich bringt. Die Ironie des Gedichts liegt in der Tatsache, dass der Sprecher sich damit tröstet, dass es Menschen gibt, die überhaupt keinen Schlafrock besitzen. Diese scheinbar tröstliche Erkenntnis wird jedoch von der Erkenntnis überschattet, dass der Schlafrock möglicherweise als Totenkleid dienen könnte. Die Frage, ob er sich einen neuen Schlafrock zulegen soll, wirft die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Investitionen in materielle Dinge angesichts der Endlichkeit des Lebens auf. Die abschließende Bitte, der neue Schlafrock möge bequem und weit sein, wenn man ins Grab gesenkt wird, unterstreicht die humorvolle und doch tiefsinnige Auseinandersetzung mit dem Tod. Spitzweg nutzt den Schlafrock als Symbol für die menschliche Existenz, die von Anfang an von Vergänglichkeit geprägt ist. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Bedeutung von materiellen Dingen und die Akzeptanz des Lebenszyklus an.

Schlüsselwörter

schlafrock kaum arg hin zerfetzt druchgefressen siebzehn jahr

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Stilmittel

Alliteration
Zerfetzt und druchgefressen
Hyperbel
Zerfetzt und druchgefressen
Ironie
Ich tröste mich mit solchen nur, Die keinen Schlafrock haben
Kontrast
Kaum siebzehn Jahr ich äleter bin, Seit er mir angemessen
Metapher
Von Wolle kaum mehr eine Spur
Personifikation
Von Wolle kaum mehr eine Spur
Rhetorische Frage
Soll ich mir jetzt als Sterbekleid Noch einen neuen schenken?