Mein Mathematikus
1916In der Tertia war′s, in der Mathematikstunde, Da ward mir aus deinem Professorenmunde Der erste Hohn für mein Dichten verabreicht. Ein Jugendeindruck, der bis ans Grab reicht. Noch heute seh′ ich bei jedem Gedichte Dein mathematisches Professorengesichte Mir über die Schulter grinsen und lachen: Kann nicht rechnen und will Gedichte machen.
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Interpretation
Das Gedicht "Mein Mathematikus" von Gustav Falke ist ein eindringliches Werk, das die nachhaltige Wirkung einer verletzenden Kritik aus der Jugendzeit thematisiert. Der Sprecher erinnert sich an eine Mathematikstunde in der Tertia, wo der Professor ihm den ersten Hohn für sein poetisches Schaffen entgegenbrachte. Dieser Moment prägte den Sprecher tief und begleitete ihn bis ins Grab. Die zweite Strophe verdeutlicht, wie dieser Jugendeinruck bis heute nachwirkt. Bei jedem Gedicht, das der Sprecher verfasst, erscheint ihm das mathematische Professorengesicht über der Schulter, grinsend und lachend. Die abschließende Zeile "Kann nicht rechnen und will Gedichte machen" verdeutlicht die verletzende Kritik, die der Professor geäußert hatte. Der Sprecher fühlt sich dadurch in seinem poetischen Schaffen infrage gestellt und verunsichert. Das Gedicht thematisiert somit die nachhaltige Wirkung von Kritik und die Verletzlichkeit des kreativen Prozesses. Der Sprecher wird durch die Worte des Professors in seiner Identität als Dichter angegriffen und fühlt sich bis heute an diese negative Erfahrung erinnert. Das Werk verdeutlicht, wie tief prägende Momente aus der Jugend das ganze Leben beeinflussen können und wie schwer es ist, sich von solchen Verletzungen zu befreien.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Kann nicht rechnen und will Gedichte machen
- Anapher
- Da ward mir aus deinem Professorenmunde
- Hyperbel
- Ein Jugendeindruck, der bis ans Grab reicht
- Metapher
- Der erste Hohn für mein Dichten verabreicht
- Personifikation
- Dein mathematisches Professorengesichte mir über die Schulter grinsen und lachen