Mein Herz und ich

Anna Louisa Karsch

1722

Deckt noch der Schlaf dein Auge zu, Mein Liebster? O, um süßer dich zu denken, Laß ich die Trunkenmacherin, die Ruh, Aus ihrem Kelch mich minder tränken.

Du wachst vielleicht, durch Glockenschlag Aus sanfter Ruh, aus süßem Schlaf gestöret, Ich wache, weil mein Herze Nacht und Tag In sich laut deinen Namen höret.

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Illustration zu Mein Herz und ich

Interpretation

Das Gedicht "Mein Herz und ich" von Anna Louisa Karsch beschreibt eine tiefe Sehnsucht und innige Verbindung zwischen der Sprecherin und ihrem Liebsten. Die Eröffnungszeilen zeigen, wie die Sprecherin bewusst weniger schläft, um an ihren Geliebten denken zu können, und dabei die "Trunkenmacherin, die Ruh" – also den Schlaf – weniger in Anspruch nimmt. Dieses Opfer der Ruhe verdeutlicht die Intensität ihrer Gefühle und ihre Bereitschaft, für die Liebe auf Komfort zu verzichten. In der zweiten Strophe wird ein Kontrast zwischen den Zuständen des Liebsten und der Sprecherin geschaffen. Während der Geliebte möglicherweise durch einen Glockenschlag aus dem Schlaf gerissen wird, wacht die Sprecherin aufgrund der ständigen inneren Präsenz seines Namens. Der Glockenschlag symbolisiert hier eine äußere Störung, während die innere Unruhe der Sprecherin durch die Liebe selbst verursacht wird. Dieser Unterschied unterstreicht die einseitige Intensität ihrer Empfindungen. Die Wiederholung des Wortes "süß" in Bezug auf den Schlaf des Liebsten und die "sanfte Ruh" betont die Gelassenheit und den Frieden, den der Geliebte genießt. Im Gegensatz dazu steht die unruhige, von Gedanken an den Geliebten erfüllte Nacht der Sprecherin. Das Gedicht vermittelt somit ein tiefes Gefühl der Sehnsucht und die Idee, dass wahre Liebe oft mit einem Verlust an innerem Frieden einhergeht, da das Herz ständig an den Geliebten denkt.

Schlüsselwörter

schlaf ruh deckt auge liebster süßer denken laß

Wortwolke

Wortwolke zu Mein Herz und ich

Stilmittel

Alliteration
Deckt noch der Schlaf dein Auge zu
Bildsprache
Deckt noch der Schlaf dein Auge zu
Kontrast
Ich wache, weil mein Herze Nacht und Tag In sich laut deinen Namen höret
Metapher
Trunkenmacherin, die Ruh
Personifikation
Laß ich die Trunkenmacherin, die Ruh, Aus ihrem Kelch mich minder tränken