Mein Herz ist traurig
1827Mein Herz, mein Herz ist traurig, Doch lustig leuchtet der Mai; Ich stehe, gelehnt an der Linde, Hoch auf der alten Bastei. Da drunten fließt der blaue Stadtgraben in stiller Ruh′; Ein Knabe fährt im Kahne Und angelt und pfeift dazu. Jenseits erheben sich freundlich, In winziger, bunter Gestalt, Lusthäuser und Gärten und Menschen Und Ochsen und Wiesen und Wald. Die Mägde bleichen Wäsche, Und springen im Gras herum; Das Mühlrad stäubt Diamanten, Ich höre sein fernes Gesumm. Am alten grauen Turme Ein Schilderhäuschen steht; Ein rotgeröckter Bursche Dort auf und nieder geht. Er spielt mit seiner Flinte, Die funkelt im Sonnenrot, Er präsentiert und schultert - Ich wollt′, er schösse mich tot.
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Interpretation
Das Gedicht "Mein Herz ist traurig" von Heinrich Heine beschreibt die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs, das trotz der fröhlichen Umgebung von tiefer Traurigkeit erfüllt ist. Die äußere Schönheit des Mais und die lebendige Szenerie kontrastieren stark mit der inneren Verzweiflung des Sprechers, der sich in einer scheinbar idyllischen Landschaft befindet. Das lyrische Ich lehnt an einer Linde auf einer alten Bastei und blickt auf eine malerische Szene hinab: einen blauen Stadtgraben, einen Jungen im Kahn, der angelt und pfeift, und jenseits des Wassers eine bunte Landschaft mit Lusthäusern, Gärten und Wiesen. Die Umgebung ist voller Leben und Aktivität, was die innere Leere und Traurigkeit des Sprechers noch stärker hervorhebt. In einem letzten verzweifelten Wunsch sehnt sich das lyrische Ich danach, von dem rotgerockten Burschen, der mit seiner Flinte spielt, erschossen zu werden. Dieser Wunsch symbolisiert den tiefen Wunsch nach Erlösung von der inneren Qual und zeigt die Intensität der emotionalen Verzweiflung, die das lyrische Ich erlebt, trotz der äußeren Schönheit und Lebendigkeit der Umgebung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Stadtgraben in stiller Ruh
- Bildsprache
- Ich stehe, gelehnt an der Linde, Hoch auf der alten Bastei
- Hyperbel
- Lusthäuser und Gärten und Menschen Und Ochsen und Wiesen und Wald
- Kontrast
- Doch lustig leuchtet der Mai
- Metapher
- Das Mühlrad stäubt Diamanten
- Onomatopoesie
- Ich höre sein fernes Gesumm
- Parallelismus
- Und angelt und pfeift dazu
- Personifikation
- Mein Herz, mein Herz ist traurig
- Symbolik
- Ein rotgeröckter Bursche Dort auf und nieder geht
- Wiederholung
- Er präsentiert und schultert