Mein Herz ist schwer
Mein Herz ist schwer, mein Auge wacht,
Der Wind fährt seufzend durch die Nacht;
Die Wipfel rauschen weit und breit,
Sie rauschen von vergangner Zeit.
Sie rauschen von vergangner Zeit,
Von großen Glück und Herzeleid,
Vom Schloß und von der Jungfrau drin –
Wo ist das alles, alles hin?
Wo ist das alles, alles hin,
Leid, Lieb′ und Lust und Jugendsinn?
Der Wind fährt seufzend durch die Nacht,
Mein Herz ist schwer, mein Auge wacht.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Mein Herz ist schwer“ von Emanuel Geibel ist eine melancholische Reflexion über die Vergänglichkeit von Zeit, Glück und Jugend. Es drückt eine tiefe Traurigkeit und das Gefühl des Verlusts aus. Der Dichter blickt zurück auf vergangene Zeiten und fragt sich, wo all die Freuden, Lieben und Leiden der Vergangenheit geblieben sind. Der repetitive Einsatz von Phrasen und der einfache Reim unterstreichen die Eintönigkeit und das Gefühl des Kreislaufs der Trauer.
Die Natur spielt eine wichtige Rolle in der Darstellung dieser melancholischen Stimmung. Der Wind, der seufzend durch die Nacht fährt, und die rauschenden Wipfel der Bäume werden zu Begleitern des Dichters in seiner Trauer. Sie scheinen selbst die Geschichte der vergangenen Zeit zu erzählen und die Vergänglichkeit aller Dinge zu bezeugen. Die Bäume rauschen von vergangenen Zeiten, von Glück und Leid, und erinnern so an die flüchtige Natur des Lebens. Dieses Element verstärkt das Gefühl der Vereinsamung und der Verlorenheit.
Das Gedicht verwendet eine einfache, aber wirkungsvolle Sprache. Die Wiederholung von Zeilen wie „Sie rauschen von vergangner Zeit“ und „Wo ist das alles, alles hin?“ verstärkt die zentrale Thematik der Vergänglichkeit und des Verlusts. Durch diese Wiederholungen wird die Traurigkeit des lyrischen Ichs spürbar gemacht und der Leser in die melancholische Stimmung des Gedichts hineingezogen. Die Verwendung von Fragen deutet auf eine Suche nach Antworten hin, die jedoch im Gedicht offen bleiben, was die Hoffnungslosigkeit zusätzlich verstärkt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Geibels Gedicht eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Thema der Vergänglichkeit darstellt. Durch die Kombination von Natur, Wiederholungen und einfachen, aber ausdrucksstarken Worten gelingt es dem Dichter, ein Gefühl von tiefer Melancholie und dem Verlust von allem, was einst war, zu erzeugen. Das Gedicht ist eine poetische Reflexion über das menschliche Schicksal und die unvermeidliche Konfrontation mit dem Lauf der Zeit.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.