Mein Gefängnis
unknownAuf dem Meere tanzt die Welle nach der Freiheit Windmusik. Raum zum Tanz hat meine Zelle siebzehn Meter im Kubik.
Aus den blauen Himmeln zittert Sehnsucht, die die Herzen stillt. Meine Luke ist vergittert und ihr dickes Glas gerillt.
Liebe tupft mit bleichen leisen Fingern an ein Bett ihr Mal. Meine Pforte ist aus Eisen, meine Pritsche hart und schmal.
Tausend Rätsel, tausend Fragen machen manchen Menschen dumm. Ich hab eine nur zu tragen: Warum sitz ich hier? Warum?
Hinterm Auge wohnt die Träne, und sie weint zu ihrer Zeit. Eingesperrt sind meine Pläne namens der Gerechtigkeit.
Wie ein Flaggstock sind Entwürfe, den ein Wind vom Dache warf. Denn man meint oft, daß man dürfe, was man schließlich doch nicht darf.
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Interpretation
Das Gedicht "Mein Gefängnis" von Erich Kurt Mühsam beschreibt die Gefühlswelt eines Gefangenen, der in seiner Zelle eingeschlossen ist und sich nach Freiheit sehnt. Die ersten beiden Strophen setzen einen Kontrast zwischen der Freiheit draußen, symbolisiert durch das tanzende Meer und die Sehnsucht aus den blauen Himmeln, und der Enge und Begrenztheit der Gefängniszelle. Die Zelle wird als Ort der Einschränkung dargestellt, mit vergittertem Fenster und dicken, gerillten Scheiben, die die Außenwelt fernhalten. Die dritte Strophe thematisiert die Liebe, die trotz der Gefangenschaft präsent ist, aber nur als schwacher Trost dienen kann. Die Eisenpforte und die harte, schmale Pritsche unterstreichen die Härte und Kälte der Gefängnisumgebung. Die vierte Strophe bringt die Verwirrung und die Suche nach Antworten zum Ausdruck, die viele Menschen in ähnlichen Situationen beschäftigen. Der Gefangene stellt sich die Frage, warum er hier sitzt, was auf eine Ungerechtigkeit oder ein Missverständnis hindeutet. Die letzten beiden Strophen reflektieren die innere Zerrissenheit des Gefangenen. Die Tränen, die hinter den Augen wohnen, symbolisieren die unterdrückten Emotionen, die zu ihrer Zeit kommen werden. Die Pläne, die unter dem Namen der Gerechtigkeit eingesperrt sind, deuten auf unerfüllte Träume und Hoffnungen hin. Die Entwürfe, die wie ein Flaggstock vom Dach geweht wurden, stehen für Ideen und Pläne, die verworfen wurden, weil sie nicht realisierbar waren. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass man oft glaubt, etwas tun zu dürfen, es aber letztendlich doch nicht darf, was die Frustration und Hilflosigkeit des Gefangenen verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegenüberstellung
- Raum zum Tanz hat meine Zelle siebzehn Meter im Kubik.
- Ironie
- Denn man meint oft, daß man dürfe, was man schließlich doch nicht darf.
- Kontrast
- Meine Pforte ist aus Eisen, meine Pritsche hart und schmal.
- Metapher
- Wie ein Flaggstock sind Entwürfe, den ein Wind vom Dache warf.
- Personifikation
- Hinterm Auge wohnt die Träne, und sie weint zu ihrer Zeit.
- Rhetorische Frage
- Warum sitz ich hier? Warum?
- Symbolik
- Liebe tupft mit bleichen leisen Fingern an ein Bett ihr Mal.