Mein Garten

Hugo von Hofmannsthal

1874

Schön ist mein Garten mit den goldnen Bäumen, Den Blättern, die mit Silbersäuseln zittern, Dem Diamantentau, den Wappengittern, Dem Klang des Gong, bei dem die Löwen träumen, Die ehernen, und den Topasmäandern Und der Volière, wo die Reiher blinken, Die niemals aus dem Silberbrunnen trinken … So schön, ich sehn mich kaum nach jenem andern, Dem andern Garten, wo ich früher war. Ich weiß nicht wo … Ich rieche nur den Tau, Den Tau, der früh an meinen Haaren hing, Den Duft der Erde weiß ich, feucht und lau, Wenn ich die weichen Beeren suchen ging … In jenem Garten, wo ich früher war …

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Illustration zu Mein Garten

Interpretation

Das Gedicht "Mein Garten" von Hugo von Hofmannsthal ist eine poetische Beschreibung eines Gartens, der als Ort der Schönheit und des Wohlgefühls dargestellt wird. Der Garten wird mit Bildern wie goldenen Bäumen, silbernem Rauschen der Blätter und Diamantentau beschrieben. Diese opulenten und kostbaren Elemente schaffen eine Atmosphäre von Luxus und Pracht. Die Verwendung von Gold, Silber und Diamanten verleiht dem Garten eine fast märchenhafte Qualität. Der Garten wird als ein Ort der Ruhe und des Genusses beschrieben, an dem der Klang eines Gongs die Löwen in ihren Träumen wiegt. Die Anwesenheit von Löwen und Wappengittern lässt auf eine aristokratische oder königliche Umgebung schließen. Die Erwähnung von Topas-Mäandern und einer Volière, in der Reiher blinken, verstärkt das Bild eines exotischen und kunstvoll gestalteten Gartens. Die Tatsache, dass die Reiher nie aus dem Silberbrunnen trinken, könnte auf eine gewisse Unerreichbarkeit oder Unberührtheit des Gartens hinweisen. Trotz der Pracht des beschriebenen Gartens gibt es eine Sehnsucht nach einem anderen Garten, in dem der Sprecher früher war. Dieser andere Garten wird durch sensorische Erinnerungen wie den Geruch von Tau und die feuchte Erde evoziert. Die weichen Beeren, die der Sprecher dort suchte, symbolisieren möglicherweise eine einfachere, natürlichere und vielleicht kindlichere Erfahrung. Die Unbestimmtheit des Ortes dieses Gartens unterstreicht die emotionale und nostalgische Natur der Erinnerung.

Schlüsselwörter

garten schön jenem andern früher weiß tau goldnen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Diamantentau, den Wappengittern
Anapher
In jenem Garten, wo ich früher war
Bildsprache
Dem Klang des Gong, bei dem die Löwen träumen
Hyperbel
So schön, ich sehn mich kaum nach jenem andern
Kontrast
So schön, ich sehn mich kaum nach jenem andern, Dem andern Garten, wo ich früher war
Metapher
Schön ist mein Garten mit den goldnen Bäumen
Personifikation
Die Blätter, die mit Silbersäuseln zittern
Synästhesie
Den Duft der Erde weiß ich, feucht und lau
Vergleich
Die ehernen, und den Topasmäandern
Wiederholung
Den Tau, den Tau, der früh an meinen Haaren hing