Mein Alles ist dahin...

Sibylla Schwarz

1621

Mein Alles ist dahin, mein Trost in Lust und Leiden mein ander Ich ist fort, mein Leben, meine Zier mein liebstes auff der Welt ist wegk, ist schon von hier. (die Lieb’ ist bitter zwahr, viel bittrer ist das Scheiden).

Ich kan nicht vohn dir seyn, ich kan dich gantz nicht meiden O liebste Dorile! Ich bin nicht mehr bey mir Ich bin nicht der ich bin, nun ich nicht bin bey dir. Ihr Stunden lauft doch fort, wolt ihr mich auch noch neiden?

Ey Phoebus halte doch die schnelle Hengste nicht! fort, fort, ihr Tage fort, komb bald du Monden Licht!

Ein Tag ist mir ein Jahr, in dem ich nicht kan sehen mein ander Sonnenlicht! fort, fort, du faule Zeit spann doch die Segel auff und bring mein Lieb noch heut und wan sie hier dan ist, so magstu langsam gehen.

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Illustration zu Mein Alles ist dahin...

Interpretation

Das Gedicht "Mein Alles ist dahin..." von Sibylla Schwarz handelt von der tiefen Trauer und Sehnsucht einer lyrischen Ich-Figur, die von ihrer geliebten Person getrennt ist. Die Verse drücken ein Gefühl des Verlustes aus, da das "Alles" des Sprechers dahin ist und das "ander Ich" fort ist. Die Liebe wird als bitter beschrieben, aber das Abschiednehmen wird als noch bitterer empfunden. Die lyrische Figur kann nicht ohne die Geliebte sein und fühlt sich ohne sie nicht mehr wie sie selbst. Die Zeit scheint sich zu verlangsamen, und ein Tag ohne die geliebte Person fühlt sich wie ein Jahr an. Die Sehnsucht nach der Wiedervereinigung ist so stark, dass die lyrische Figur den Mond und die Sonne bittet, schneller zu gehen, und die Zeit bittet, schneller zu vergehen. Das Gedicht endet mit dem Wunsch, dass die Zeit sich schneller bewegen möge, um die geliebte Person schneller zurückzubringen. Wenn die geliebte Person dann da ist, kann die Zeit wieder langsamer vergehen. Die Verse drücken eine tiefe emotionale Abhängigkeit von der geliebten Person aus und die Qual der Trennung.

Schlüsselwörter

fort kan ander auff lieb bey dahin trost

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Stilmittel

Anapher
fort, fort, ihr Tage fort, komb bald du Monden Licht!
Apostrophe
Ey Phoebus halte doch die schnelle Hengste nicht!
Hyperbel
Ein Tag ist mir ein Jahr, in dem ich nicht kan sehen mein ander Sonnenlicht!
Kontrast
(die Lieb' ist bitter zwahr, viel bittrer ist das Scheiden)
Metapher
mein ander Ich ist fort, mein Leben, meine Zier
Personifikation
Ihr Stunden lauft doch fort, wolt ihr mich auch noch neiden?
Rhetorische Frage
Ihr Stunden lauft doch fort, wolt ihr mich auch noch neiden?
Synästhesie
mein liebstes auff der Welt ist wegk, ist schon von hier